Dienstag, 26. Juli 2016

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Deutsche Solarindustrie Hoffen auf den Ausverkauf

Solarbranche: Zerronnen und übernommen
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REUTERS

Viele deutsche Solarunternehmen können sich nicht mehr finanzieren. Börsen, Banken und Beteiligungsgesellschaften meiden die Branche. Chinesische Player greifen für kleines Geld zu. Westliche Konzerne halten sich zurück - doch es gibt Ausnahmen.

Hamburg - Es gab Zeiten, in denen deutsche Solarkonzerne sich kaum retten konnten vor Kapital. Die Börsenkurse kannten nur den Weg nach oben, Banken gaben reichlich Kredite, Länder und EU schütteten ihre Fördertöpfe aus. Private Geldgeber rissen sich darum, in die Zukunftsbranche zu investieren.

So beteiligte sich der Wella-Erbe Immo Ströher mit seiner Schweizer Holding Rivendell am Aufbau von Solon und Q-Cells. Q-Cells profitierte überdies von Investments des C&A-Erben Marcel Brenninkmeijer. Und auch Conergy Börsen-Chart zeigen verdankt seine Existenz einer Finanzspritze des früheren Gea-Großaktionärs Otto Happel und dem Einstieg der Hexal-Gründer Andreas und Thomas Strüngmann.

Investorenfonds und Beteiligungsgesellschaften gaben Millionen - und verdienten Millionen. So wie die Private Equity-Gesellschaft Ventizz Capital, die 2008 ihre Mehrheitsbeteiligung an der Erfurter Ersol Solar Energy AG an den Technologiekonzern Bosch abgab - für 546 Millionen Euro.

Ausgerechnet Ventizz Capital steht jedoch auch für den Schatten, der heute die Finanzierungsmöglichkeiten der deutschen Solarunternehmen verdunkelt. So übernahm die Beteiligungsgesellschaft im April 2010 den im ostdeutschen Bitterfeld-Wolfen ansässigen Solarzellen- und Modulhersteller Sovello - in der Hoffnung auf einen ähnlichen Exit wie er im Falle Ersol gelungen war.

Die Sovello GmbH indes meldete im Mai Insolvenz an - einen Monat nachdem es die auf dem Nachbargrundstück des Industrieparks in Bitterfeld-Wolfen ansässige Q-Cells AG erwischt hatte.

Freie Auswahl an Dünnschichttechnologien

Die rund 1200 Mitarbeiter Sovellos hoffen nun bis Ende Juli darauf, dass ihre Geschäftsführung um Vorstandsprecher Reiner Beutel die Zusage einhält, alle Bemühungen darauf auszurichten, einen passenden Investor zu finden.

Dabei ist die Sovello GmbH kein Einzelfall. Die auf Dünnschichttechnologie setzende Odersun AG zum Beispiel verhandelte nach der Insolvenz im März über Monate mit potenziellen Geldgebern aus Russland. Vergeblich. Seit Ende Mai wird das einst 260 Mitarbeiter zählende Unternehmen abgewickelt, das zwar über Technik und Patente für speziell an Gebäude angepasste Solarmodule verfügt, diese jedoch nie produziert hat.

Ähnliches gilt für die Berliner Soltecture GmbH. Das Unternehmen gehört zu den Vorreitern der Dünnschichttechnologie, hat es allerdings nicht geschafft, kostendeckend zu produzieren. Die Folge: Anfang Mai erklärte die Geschäftsführung der Berliner ihre Zahlungsunfähigkeit. Seither verhandelt der vorläufige Insolvenzverwalter Hartwig Albers über den Einstieg industrieller Partner aus China und Korea. Bislang vergeblich.

Dies verwundert kaum. Haben die Aufkäufer in Sachen Dünnschicht derzeit doch die freie Auswahl - wie das Beispiel des chinesischen Konzerns Hanergy zeigt.

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