Mittwoch, 19. Dezember 2018

Energieversorgung Windbranche will Netze selbst ausbauen

Windräder in der Eifel: Die Hersteller von Anlagen wollen künftig auch Einspeisenetze entwickeln.

Die Hersteller von Windkraftanlagen wollen dem Ausbau erneuerbarer Energien mehr Schwung geben. Deshalb erwägt die Branche, einen Teil des stockenden Ausbaus der Stromnetze in die eigene Hand zu nehmen.

Hannover - Der Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers, forderte die Bundesregierung am Dienstag am Rande der Hannover Messe auf, ein Konzept zur Finanzierung und rechtlichen Absicherung für den Bau sogenannter Einspeisenetze zu entwickeln.

Diese lokalen Teilnetze könnten die Stromerzeugung einzelner Anlagen oder Windparks bündeln und Schnittstellen zu überregionalen Übertragungsnetzen bilden, erklärte Albers. So lasse sich auch die zu geringe Kapazität bestehender Verteilernetze relativ rasch ergänzen.

Eine vom Verband in Auftrag gegebene Studie der Beratungsfirma Ecofys habe entsprechende Einsparpotenziale sowie eine Beschleunigung des Netzausbaus durch eigene Einspeisenetze der Anlagenbetreiber angedeutet, sagte der BWE-Chef: "Es gibt nichts Günstigeres, als solche Puffer zu bilden, in denen man das Netz ausbaut." Dies liege auch daran, dass dabei nicht - wie bei großen Netzen - teure Reservekapazitäten für Ausfälle bereitgehalten werden müssen.

Förderung für alternative lokale Einspeisenetze gefordert

Zur Finanzierung empfiehlt der Verband ein Modell, das den bisherigen Netzentgelten ähnelt, die Betreiber großer Netze von den Nutzern erhalten. "Wir fordern die Bundesregierung auf, einen Mechanismus der Netzumlage einzuführen", sagte Albers. "Die rechtlichen Möglichkeiten hierfür sollten geklärt werden", fügte Ecofys-Experte Marco Nicolosi hinzu.

Jörg Müller, Chef des brandenburgischen Betreibers Enertrag, warb ebenfalls für die Alternative lokaler Einspeisenetze. Sie seien "eine unabdingbare Voraussetzung, um die Energiewende zum Erfolg zu führen", sagte der Manager, dessen Unternehmen bereits ein 250 Kilometer langes Einspeisnetz aufgebaut hat.

Der BWE glaubt, dass sich mit Hilfe der Technologie die Akzeptanz neuer Stromleitungen in der Bevölkerung verbessern lässt. "Wir gehen davon aus, dass in diesem Bereich überwiegend Erdkabel eingesetzt werden", sagte Albers.

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