Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Energieeffizienz Energiekosten werden zum Wettbewerbsfaktor

Kupferanstich: Energieeffizienz ist längst nicht mehr nur in energieintensiven Betrieben ein Thema. Ein gutes Energiemanagement kann im Einzelfall mehr als die Hälfte der Stromkosten einsparen.

Immer mehr Unternehmen erkennen den sparsameren Umgang mit Energie als echten Kosten- und Wettbewerbsvorteil, sagt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur. Mit energieeffizienten Maschinen verdienen sie im Ausland zugleich gutes Geld.

mm: Herr Kohler, die Energiewende in Deutschland ist beschlossen. Deutsche Unternehmen insbesondere in energieintensiven Branchen fürchten einen starken Strompreisanstieg und sorgen sich um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Halten Sie die Sorgen für berechtigt?

Kohler: Die Sorgen der Betriebe können wir durchaus nachvollziehen. Wir haben kürzlich 250 Unternehmen des produzierenden Gewerbes befragt, und auch hier machen sich diese Befürchtungen breit. Dies betrifft energieintensive Betriebe, aber ebenso Betriebe, die nicht von der EEG-Umlage befreit sind. Unternehmen sorgen sich allerdings auch um die Stromversorgung und die Versorgungsqualität, die durch massenhaft eingespeisten Sonnen- und Windstrom unsicherer werden könnte. Bereits kurzfristige Spannungsabfälle können Maschinen für Stunden lahmlegen. Was konkret die Strompreisentwicklung angeht, rechnen 86 Prozent der Unternehmen auf Sicht von zwei Jahren mit steigenden Strompreisen, gut ein Viertel der Unternehmen sogar mit stark steigenden Strompreisen.

mm: Eine höhere Energieeffizienz ist wichtiger Bestandteil der angestrebten Energiewende in Deutschland. Gehen Unternehmen hierzulande effizient und sparsam genug mit Energie um im Vergleich zu anderen Nationen?

Kohler: Ganz klares Ja. Mit Blick auf die Energieeffizienz, also die wirtschaftliche Leistung pro eingesetzter Energieeinheit, gehören die Unternehmen in Deutschland zur Weltspitze. Auch wenn in energieintensiven Produktionen wie etwa der Aluminiumherstellung große Unternehmen an ihre Grenzen stoßen, sehen wir im gewerblich-industriellen Bereich durchaus noch erhebliches Energieeinsparpotential, zum Beispiel im Maschinenbau.

mm: Welche Bedeutung gewinnt angesichts steigender Energiekosten das Thema Energiemanagement in deutschen Unternehmen?

Kohler: Energiemanagement und Energieeffizienz sind schon längst nicht mehr nur in energieintensiven Betrieben ein Thema. Immer mehr Unternehmen erkennen, wie wichtig Investitionen in Energieeffizienz sind, um Energiekosten zu senken und damit Wettbewerbsvorteile zu erschließen. So investieren aktuell 37 Prozent der Unternehmen Kapital, um ihre Energieeffizienz zu steigern. 2009 lag dieser Anteil noch bei 31 Prozent. Jedes fünfte deutsche Unternehmen hat mittlerweile ein betriebliches Energiemanagement umgesetzt.

mm: Da dürfte es doch durchaus Unterschiede geben, oder nicht?

Kohler: Die Betriebsgröße und die Höhe der Energiekosten spielen eine entscheidende Rolle. Allen voran große Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitern haben ein Energiemanagement umgesetzt - hier sind es etwas mehr als die Hälfte. Dagegen haben lediglich 14 Prozent der Kleinbetriebe und rund 26 Prozent der Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten ein betriebliches Energiemanagement eingeführt. Zugleich stellen wir fest: Je höher die Energiekosten eines Unternehmens sind, desto intensiver widmen sie sich dem Thema. Gut die Hälfte der Unternehmen, die mehr als 400.000 Euro jährlich für Energiekosten aufwenden, verfügen über ein betriebliches Energiemanagement. Belaufen sich die Energiekosten auf 100.000 bis 400.000 Euro, sind es nur noch 27 Prozent der Betriebe.

mm: Konzentrieren sich deshalb die vielen Initiativen und Förderprogramme in Deutschland auf mittlere und Kleinbetriebe?

Kohler: Hier ist das Potential zur Energieeinsparung halt noch am größten. Die meisten mittleren und kleinen Betriebe haben eben kein klar festgelegtes Energiemanagementsystem, noch stellen sie im Gegensatz zu großen Unternehmen dafür eigens Personal ab, das sich ausschließlich mit Fragen der Energieeffizienz im eigenen Betrieb beschäftigt.

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