Freitag, 15. Dezember 2017

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BHKW Telekom steigt in den Strommarkt ein

Deutsche Telekom: Suche nach neuen Wachstumsfeldern

Die Deutsche Telekom drängt in den Strommarkt. Der Bonner Konzern bietet Energieversorgern nach eigenen Angaben künftig den Aufbau und Betrieb kompletter Netze von kleinen, dezentralen Blockheizkraftwerken (BHKW) an. Auch der Volkswagen-Konzern ist bereits mit Kellerkraftwerken aktiv.

Bonn - Die Leiterin des Konzerngeschäftsfelds Energie bei der Telekom, Gabirele Riedmann de Trinidad, sagte: "Mit dieser Lösung sind Energieversorger schnell in der Lage, kleine BHKWs zu vermarkten und dann als virtuelles Kraftwerk zu steuern." Die Energieversorger könnten so künftig Schwankungen im Stromnetz auf Knopfdruck ausgleichen. Das Unternehmen bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland".

Kleine Blockheizkraftwerke bestehen aus einem Motor, der sowohl Warmwasser als auch Strom liefert, und können auch in Ein- und Mehrfamillienhäusern installiert werden. Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen will den Energieversorgern mit ihrer Kommunikationsinfrastruktur und ihrem Know-how bei der Datenverarbeitung ermöglichen, diese als virtuelle Kraftwerke zu nutzen. Die Energieversorger könnten dann die Anlagen je nach Strombedarf per Fernsteuerung hoch- oder herunterfahren, um die schwankenden Stromlieferungen von Windparks und Solaranlagen auszugleichen.

Bei dem Projekt arbeitet die Telekom mit dem BHKW-Hersteller Motoren AT und dem Spezialisten für Energie-Kommunikation GreenCom Networks zusammen.

Auch Volkswagen baut an dezentralem Kraftwerksnetz

Der Geschäftsführer von Motoren AT, Dragan Popov, sagte, das Unternehmen erwarte für die nächsten Jahre einen Boom bei kleinen Blockheizkraftwerken. "Die Bundesregierung will den Anteil der hoch effizienten Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung von derzeit rund 16 Prozent auf 25 Prozent bis 2020 steigern - auch mithilfe von kleinen BHKWs", sagte er. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) nehme seit 1. April Förderanträge für solche Kraftwerke entgegen. So würden etwa Anlagen mit 19 Kilowatt elektrischer Leistung mit einmalig 3.450 Euro bezuschusst.

Die Telekom ist allerdings nicht der erste branchenfremde Großkonzern, den das Stromgeschäft lockt. Seit 2010 baut der Autohersteller Volkswagen Börsen-Chart zeigen gemeinsam mit dem Hamburger Anbieter Lichtblick ein Netz dezentraler Kellerkraftwerke auf der Basis von umgebauten Automotoren auf.

Die ersten 420 "Zuhause-Kraftwerke" laufen Lichtblick zufolge bereits in Norddeutschland, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Während Lichtblick die Stromeinspeisung zentral steuert, versorgen die Anlagen über große Pufferspeicher Wohngebäude, Schulen und Gewerbebetriebe mit Wärme.

Lichtblick will in Zukunft 100.000 dezentrale "Zuhause-Kraftwerke" mit einer Gesamtleistung von zwei Gigawatt installieren - das entspräche der Leistung zweier Kernkraftwerksblöcke.

la/apd

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