Montag, 17. Dezember 2018

Power-to-Gas-Technik Lobby will Ökostrom im Gasnetz speichern

Windpark in der Nähe von Schleiden (Kreis Euskirchen): Teure Power-to-Gas-Technik soll als Speichertechnologie für ökologisch erzeugte Energie dienen

Energie-Agentur und Erdgas-Lobby wollen Energie aus Wind und Sonne am liebsten in Form von Ökogas speichern. Die Idee, das Erdgasnetz als Stromspeicher zu nutzen, hat auf den ersten Blick viel Charme. Experten warnen jedoch vor einem teuren Hype.

Hamburg - Wenn es windig wird im Norden Deutschlands, schrillen bei den Netzbetreibern die Alarmglocken: Die Überlandnetze geraten immer häufiger an ihre Grenzen, weil zu viel Windstrom eingespeist wird. An 45 Tagen mussten Windparkbetreiber im Norden im vergangenen Jahr bereits ihre Anlagen in den Leerlauf schalten, damit die Stromnetze nicht zusammenbrechen.

In Zukunft könnte das immer häufiger der Fall sein: Bis zum Jahr 2020 werden in Nord- und Ostsee Windparks mit 10.000 Megawatt Leistung installiert. Die Offshore-Windräder könnten dann pro Jahr so viel Strom ins Netz pumpen wie vier bis fünf Atomreaktoren. Das Problem: Schon jetzt wissen die Netzbetreiber oft nicht wohin mit dem Windstrom.

Je schneller der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen Wind und Sonne voranschreitet, desto dringlicher wird die Suche nach einer Speichertechnologie, mit der überschüssiger Ökostrom eingelagert und bei Bedarf wieder abgerufen werden könnte. Nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Systemtechnik (IWES) wird es bereits ab einem Anteil von 30 Prozent erneuerbaren Energien an der Stromversorgung hohe Leistungsüberschüsse geben.

Wenn im Jahr 2050 tatsächlich, wie von der Bundesregierung geplant, 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen sollen, bräuchte Deutschland Speicherkapazitäten für 30 Terawattstunden Strom, um saisonale Schwankungen bei Wind und Sonne auszugleichen, rechnen IWES-Forscher vor. Derzeit liegen die Speicherkapazitäten bei gerade einmal 0,4 Terawattstunden.

Aus Ökostrom soll Ökogas werden

Geht es nach der Deutschen Energie Agentur (Dena) und der Gaswirtschaft, steht die Lösung für das Speicherproblem fest: Aus dem Ökostrom soll Ökogas werden. Seit Oktober vergangenen Jahres wirbt die Dena mit Rückenwind von Bundesregierung und Gasbranche massiv für die neue Technologie "Power-to-Gas".

Die Idee: Der Ökostrom wird per Elektrolyse in Wasserstoff oder Methan umgewandelt und in das bestehende Erdgasnetz eingespeist. Das Ökogas könnte bei Bedarf über Gas- und Dampfkraftwerke, Blockheizkraftwerke oder Gasturbinen wieder in Strom umgewandelt werden oder für gasbetriebene Fahrzeuge verwendet werden.

Das Modell klingt bestechend einfach - und hätte für Politik und Energiebranche manche Vorteile. Denn während das Stromnetz aus allen Nähten platzt, ist im Erdgasnetz mehr als genug Platz. 450.000 Kilometer lange Gasleitungen transportieren jedes Jahr doppelt so viel Energie wie das Stromnetz. In rund 47 Erdgasspeichern ist Platz für 23,5 Milliarden Kubikmeter Gas - bis 2025 sollen durch Erweiterungen und Neubauten noch einmal neun Milliarden Kubikmeter hinzukommen

Ließe sich das Erdgasnetz als Stromspeicher nutzen, könnte sich die Bundesregierung einen Teil der Investitionen in den Ausbau des Stromnetzes sparen - und im beginnenden Wahlkampf Streit um unpopuläre neue Stromtrassen vermeiden.

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