Freitag, 2. Dezember 2016

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Solar-Förderkürzung Warum RWE, Eon und Co. jetzt aufatmen

Unterbietungswettstreit: Solarstrom aus großen Anlagen wird in Deutschland ab März niedriger vergütet als Strom aus Windkraftanlagen auf See

Die Förderung für Fotovoltaik wird deutlich gekürzt - für die deutschen Energieversorger ist das eine gute Nachricht. Stetig steigende Solarstrommengen stellen sie vor ernste Probleme. Außerdem kommen die Konzerne nun künftig selbst in den Genuss erheblicher Subventionen.

Hamburg - Als beste Freunde der erneuerbaren Energien galten die Topmanager der großen deutschen Versorger nie. In den 80er-Jahren erklärten sie, Wind und Sonne könnten auch in ferner Zukunft keinen nennenswerten Anteil der Stromerzeugung übernehmen. Sie bauten ein riesiges Windrad namens Growian - um zu zeigen, "dass es eben nicht geht", wie von RWE-Vorstand Günther Klätte überliefert ist.

Diese historische Fehleinschätzung kostet die Konzerne heute Milliarden. Die Erneuerbaren tragen jede fünfte Kilowattstunde zum deutschen Strommix bei, unter gütiger Mithilfe des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). RWE Börsen-Chart zeigen, Eon Börsen-Chart zeigen, Vattenfall und EnBW Börsen-Chart zeigen profitieren mangels rechtzeitiger Investitionen kaum und müssen zu allem Übel auch noch ihre Kraftwerke regelmäßig drosseln, weil Sonne, Wind und Co. Vorfahrt im Netz haben.

Da kommt die drastische Förderkürzung für Solarstrom vielleicht gerade noch rechtzeitig. Sie wird den Zubau von Fotovoltaikanlagen wohl deutlich begrenzen. Das verschafft den Versorgern etwas Luft bei ihrem verzweifelten Versuch, nach dem Atomausstieg ihren Platz in der neuen deutschen Energiewelt zu finden.

Solarstrom ersetzt 15 bis 20 Großkraftwerke und drückt Preise

"Die Förderkürzung ist tendenziell positiv für die großen Versorger", sagt Analyst Sven Diermeier von Independent Research. Ihre Kraftwerke könnten nun häufiger ins Netz einspeisen als ohne die Subventionsbremse für Solar.

Das rasante Wachstum der Solarenergie hatte den Konzernen zunehmend Kopfschmerzen bereitet. Auf gigantische 25.000 Megawatt ist allein die Erzeugungskapazität der Fotovoltaik in Deutschland zuletzt angeschwollen. An sonnigen Tagen ersetzt der Solarstrom rechnerisch 15-20 Großkraftwerke.

Zuletzt drohte ein weiterer massiver Zubau, weil die Solartechnik rasante Fortschritte macht und ständig günstiger wird. Das hätte die Kalkulationen der Konzerne vollends auf den Kopf gestellt.

"Solarstrom wirkt doppelt negativ für die Versorger", sagt Analyst Diermeier. Ausgerechnet Mittags, wenn Strom traditionell am teuersten war, müssen die Leute von RWE, Eon, Vattenfall und EnBW schon heute viele Kraftwerke drosseln. Dann sehen sie zu, wie die Preise sinken und andere Geld mit der Stromerzeugung verdienen. "Auslastung und Rendite der einzelnen Kraftwerke sind durch das große Angebot an Strom aus erneuerbaren Quellen betroffen", heißt es bei einem Energiekonzern.

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