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23.12.2011
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China erhält den Vorzug
Eon verliert Kampf um Portugals EDP

Eon-Chef Teyssen geht leer aus: Der chinesische Wasserkrafterzeuger Three Gorges gab für den portugiesischen Versorger das höhere Gebot ab
DPA

Eon-Chef Teyssen geht leer aus: Der chinesische Wasserkrafterzeuger Three Gorges gab für den portugiesischen Versorger das höhere Gebot ab

Zuletzt platzte der RWE-Gazprom-Deal, nun hat auch Eon eine empfindliche Niederlage einkassiert: Der größte deutsche Energiekonzern ist im Rennen um den Einstieg beim portugiesischen Stromunternehmen EDP an einem chinesischen Konkurrenten gescheitert.

Lissabon - Nicht Eon Chart zeigen sondern der chinesische Wasserkrafterzeuger Three Gorges wird mit einem Kapitalanteil von 21,35 Prozent in Zukunft Hauptaktionär von EDP. Mit rund 2,7 Milliarden Euro hatten die Chinesen das höchste Gebot abgegeben. Die Eon-Offerte lag nach Berichten von portugiesischen Fachmedien um rund 200 Millionen Euro niedriger.

Wie die Staatsholding Parpública und die Kommission für den Wertpapiermarkt CMVM in Lissabon mitteilten, wurde Three Gorges bei einem Treffen des Ministerrats am Donnerstag zum Sieger der Privatisierungsausschreibung erkoren. Neben dem Düsseldorfer Versorger waren auch die brasilianischen Unternehmen Eletrobras und Cemig bis zuletzt im Rennen.

Eon-Chef Johannes Teyssen bedauerte die Entscheidung. "Eine Beteiligung von Eon an EDP wäre für beide Unternehmen sinnvoll gewesen", teilte Teyssen mit. "Dabei sind wir aber bei unserem Grundsatz geblieben, nicht mehr zu bieten als nach unserer Analyse marktgerecht und wertschaffend wäre."

Teyssen sagte weiter, Eon Chart zeigen wolle nach der Entscheidung noch intensiver an der Umsetzung der Strategie arbeiten. Dabei liege der Schwerpunkt auf der Profitabilität des Unternehmens, auf Investitionen in neue Geschäftsfelder und in ausgewählte Wachstumsmärkte, vor allem in Erneuerbare Energien.

Nach der Atomwende hatte Eon den Umbau des Konzerns vorangetrieben. Dazu gehören auch Sparpläne und Stellenabbau, milliardenschwere Abschreibungen, Verkäufe und Übernahmen.

Chinesen wollen jetzt Milliarden investieren

Die Privatisierung des portugiesischen Stromriesen EDP, dessen Marktwert insgesamt auf rund 8,5 Milliarden Euro geschätzt wird, soll nach Regierungsangaben nach den nun anstehenden Detailverhandlungen mit den Chinesen bis spätestens Ende Januar abgewickelt werden. Der Staat wird danach noch knapp 4 Prozent am EDP-Kapital behalten, die aber auch bald abgestoßen werden sollen. Nach Medieninformationen soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Treffen mit dem portugiesischen Regierungschef Pedro Passos Coelho heftig für die Eon-Offerte geworben. Passos hatte eingeräumt, das deutsche Interesse sei vor dem Hintergrund der Euro-Krise "wichtig".

Für die Chinesen sprach allerdings, dass sie nicht nur das höchste Gebot abgaben, sondern auch, dass sie Investitionen von mindestens vier Milliarden Euro in Aussicht stellen. Sie wollen zudem in Portugal auch den Bau einer Windturbinenfabrik finanzieren, die für Exporte im Wert von mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr sorgen werde, hieß es.

Mit 3,45 Euro pro Aktie zahlt Three Gorges einen deutlichen Aufpreis. EDP-Titel hatten am Donnerstag bei 2,33 Euro notiert.

EDP ist einer der größeren Energieversorger Europas und auch im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Mit rund 12.000 Mitarbeitern erzielte er 2010 einen Umsatz von 14,17 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 1,234 Milliarden Euro.

Neben EDP will Portugal nach Absprache mit den internationalen Geldgebern unter anderem auch die Airline TAP, den Fernsehsender RTP, die Eisenbahngesellschaft Comboios de Portugal und andere Firmen völlig oder zum Teil privatisieren. Davon erhofft man sich in den nächsten eineinhalb Jahren Einnahmen von sieben Milliarden Euro.

Als Gegenleistung für das 78 Milliarden Euro schwere Hilfspaket der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) muss Portugal dieses Jahr das Haushaltsdefizit von 9,8 Prozent (2010) auf 5,9 Prozent senken. Bis 2015 will man am Tejo sogar ein Defizit von 0,5 Prozent erreichen.

rei/dpa-afx

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