Sonntag, 23. September 2018

Aus für neue Technologie Vattenfall stoppt CO2-freies Kraftwerk

Braunkohle-Kraftwerks der Vattenfall Europe im brandenburgischen Jänschwalde: Demonstrationskraftwerk gestoppt

Es ist ein schwerer Rückschlag: In Deutschland wird vorerst kein CO2-freies Kohlekraftwerk in Betrieb gehen. Der schwedische Energieversorger Vattenfall hat sein 1,5-Milliarden-Projekt im brandenburgischen Jänschwalde abgeblasen - wegen des zähen Streits um die nötigen Gesetze hierzulande.

Cottbus - Vattenfall gibt die Pläne für ein CCS-Demonstrationskraftwerk im brandenburgischen Jänschwalde auf. Zu diesem Schritt sehe sich das Unternehmen aufgrund der "fortwährenden Hängepartie um das deutsche CCS-Gesetz" gezwungen, teilte der Energiekonzern am Montag mit. Auch die Aktivitäten zur Erkundung unterirdischer Speicher in Ostbrandenburg werden den Angaben zufolge eingestellt. Die CCS-Pilotanlage in Schwarze Pumpe bleibt hingegen bestehen.

Die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid (CO2) aus den Kraftwerken war vor allem in Norddeutschland, wo Gasspeicher als Lagerstätten genutzt werden sollten, auf Widerstand bei Bürgerinitiativen gestoßen, die die Lagerung als Gefahr für Grundwasser oder undichte Lager fürchteten. Das CCS-Gesetz hängt derzeit im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat.

"Wir müssen leider feststellen, dass es in der deutschen Bundespolitik derzeit keinen hinreichenden Willen gibt, die europäische Richtlinie so umzusetzen, dass ein CCS-Demonstrationsprojekt in Deutschland möglich würde", erklärte Vattenfalls Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. "Das ist ein herber Rückschlag für Innovation, Klimaschutz und die deutsche Wirtschaft." Hatakka kündigte auch an, die Erkundung von möglichen Speichern in Brandenburg einzustellen.

Im Ausland wie etwa in Großbritannien setze man aber weiter auf CCS. Zudem könnte nach 2020 auch in Brandenburg das Projekt noch verwirklicht werden. Jänschwalde sollte eigentlich spätestens 2016 in Betrieb gehen. Tatsächlich hätte die CCS-Technik für Deutschland große Bedeutung haben können, da das Land stark auf Kohle als Energieträger angewiesen ist. Aber auch Industriebetriebe hätten die CCS-Technik einsetzen können. Dies ist für Betriebe auch aus finanziellen Gründen interessant, da Kraftwerke aber auch die Industrie in Europa zunehmend für den CO2-Ausstoß in die Luft zahlen müssen.

Klimaschützer hoffen, dass die Technik etwa in China in großem Stil eingesetzt werden könnte. Das Land bringt derzeit fast wöchentlich ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Die Technik ist derzeit aber noch nicht ausgereift. Der schwedische Staatskonzern Vattenfall mit seiner deutschen Tochter verzichtet mit dem Aus für das 1,5-Milliarden-Euro-Projekt auch auf EU-Hilfen von mehreren hundert Millionen Euro.

kst/dapad/dpa

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