Samstag, 29. August 2015

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Solarenergie Jeder ein kleiner Sonnenkönig

Solarenergie: Jeder ein kleiner Sonnenkönig
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AP / Sven Kästner

Ein deutsches Solar-Startup macht Energiesparen kompatibel für Social Networks. Nutzer sollen sich einen Wettbewerb liefern: Wer verbraucht am wenigsten Strom? Vorgestellt wurde die Firma "Changers" allerdings in Kalifornien - da gibt's mehr Sonne und mehr Begeisterung als in Deutschland.

Das Palace-Hotel in Downtown San Francisco ist ein ehrwürdiger Ort, mehr als hundert Jahre alt, dicke Teppiche, Kronleuchter. Darunter sitzt Hans Raffauf, Jeans, Holzfällerhemd, zerstrubbelte Haare und Mitgründer der Startup-Firma "Changers". Anfang vergangenen Jahres wurde das Solarunternehmen in Berlin gegründet; aber der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt hat Raffauf es zuerst hier.

Nicht in Berlin, wo sich seit einigen Jahren eine rege Gründer-Community entwickelt; nicht in Deutschland, auf dessen Atomausstieg und Energiewende die Welt gebannt schaut. Sondern in Kalifornien, where it never rains, und auch jetzt, im Herbst, die Sonne kräftig vom Himmel strahlt.

Sonne ist nicht ganz unwichtig für Changers. Die Firma vertreibt ein handliches, etwa DIN-A-4-großes Solarmodul namens "Maroshi", das pro Stunde vier Watt an Strom erzeugt. Der wird gespeichert in einer Batterie names "Kalhuohfummi", mit der sich vom iPad über Android-Handys bis hin zur Playstation rund tausend Smartphones und Tablets aufladen lassen. "Jeder soll selbst Energie produzieren können und so ein ganz anderes Bewusstsein für den eigenen Verbrauch entwickeln", sagt Raffauf.

So weit, so tekkie. Klar, Modul und Batterie lassen sich wunderbar auf Outdoor-Trips nutzen, aber von den 4000 Kilowatt-Stunden, die ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt im Jahr an Strom verbraucht, machen Handys und Tablets deutlich weniger als ein Prozent aus.

Nur: Bei Changers, das vom Solartechnik-Unternehmen Centrotherm unterstützt wird, geht es nicht in erster Linie um Technik, noch nicht einmal um Energie. Die vier Gründer - neben Raffauf noch Markus Schulz, Daniela Schiffer und Dirk Gamboa Tuesta - planen eine Art grünes soziales System. "Um wirklich etwas gegen die Erderwärmung zu tun, muss man beim Endkunden beginnen", sagt Schulz, ein Werbefachmann, der vor Changers für diverse Solarfirmen PR machte.

Jeder sein eigener Sonnenkönig

Eines Abends im Januar vergangenen Jahres saß er mit Schiffer und Gamboa Tuesta in seinem Wohnzimmer. Das Gespräch kreiste um die großen Erfindungen - Telefon, Computer - und wie sie immer kleiner wurden, ein immer selbstverständlicherer Teil des Alltags. "Lass uns mal Aldi denken", sagte Schulz. Die Solarwelt müsste sich demokratisieren, Solarmodule ein Konsumentenprodukt werden, massentauglich. Jeder sein eigener Sonnenkönig.

Der Aldi-Teil von Changers steckt in der Kalhuohfummi-Batterie. Sie misst, wieviel Energie erzeugt wurde und lädt die Daten auf die Plattform der Firma. Dort kann jeder Nutzer sehen, wieviel Energie er durch die Sonnenkraft gespart und wieviel CO2 er vermieden hat. Für die Einsparungen gibt es Bonuspunkte, die man dann wieder bei Partnerfirmen einlösen kann, etwa bei einem Unternehmen, das Produkte aus recycelten Materialien verkauft.

Den meisten Nutzern aber dürfte eine andere Sache wichtiger sein: Sie können ihre Zahlen via Facebook oder Twitter mit den Ergebnissen von Freunden vergleichen, von Nachbarn, der Stadt, dem ganzen Land. "Die Menschen mögen Wettbewerb, und hier können sie für etwas Nachhaltiges konkurrieren", sagt Kushtrim Xhakli, der den Bereich "Digitale Medien" im Unternehmen verantwortet.

Stromsparen soll raus aus der wollsockigen Ecke und rein in die hippe Social-Media-Arena. Ein spielerischer Wettkampf, wie gemacht für die grün-lackierten Altbauviertel in Berlin-Prenzlauer Berg und Hamburg-Eimsbüttel. Gesellschaftlicher Druck? Aber bitte gerne! "Wieviel Kilowatt man eingespart hat, sollte im sozialen Netzwerk bald genauso wichtig sein wie die Zahl der Follower auf Twitter", sagt Xhakli.

Das ist der zweite, vielleicht wichtigere Grund, warum Changers an der Westküste, direkt am Silicon Valley, vorgestellt wurde: Hier sind die sogenannten early adopters alle an einem Platz, also die Kunden, die bei neuen Produkten früh zugreifen. Das Faible für spielerische Gadgets und Öko-Technik ist groß, die Menschen aus Prinzip begeistert von Neuem. Als erste Kundin für das 149 Dollar teure Starter-Kit konnten die Deutschen gleich Netz-Expertin Mary Meeker von einer einflussreichen Venture-Capital-Firma gewinnen.

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