Energiemanager magazin RSS  - Energie

Alle Artikel und Hintergründe


08.11.2011
Twitter GooglePlus Facebook

Solarenergie
Jeder ein kleiner Sonnenkönig

Aus San Francisco berichtet Klaus Werle

Solarenergie: Jeder ein kleiner Sonnenkönig
Fotos
AP / Sven Kästner

Ein deutsches Solar-Startup macht Energiesparen kompatibel für Social Networks. Nutzer sollen sich einen Wettbewerb liefern: Wer verbraucht am wenigsten Strom? Vorgestellt wurde die Firma "Changers" allerdings in Kalifornien - da gibt's mehr Sonne und mehr Begeisterung als in Deutschland.

Das Palace-Hotel in Downtown San Francisco ist ein ehrwürdiger Ort, mehr als hundert Jahre alt, dicke Teppiche, Kronleuchter. Darunter sitzt Hans Raffauf, Jeans, Holzfällerhemd, zerstrubbelte Haare und Mitgründer der Startup-Firma "Changers". Anfang vergangenen Jahres wurde das Solarunternehmen in Berlin gegründet; aber der Öffentlichkeit erstmals vorgestellt hat Raffauf es zuerst hier.

Nicht in Berlin, wo sich seit einigen Jahren eine rege Gründer-Community entwickelt; nicht in Deutschland, auf dessen Atomausstieg und Energiewende die Welt gebannt schaut. Sondern in Kalifornien, where it never rains, und auch jetzt, im Herbst, die Sonne kräftig vom Himmel strahlt.

Sonne ist nicht ganz unwichtig für Changers. Die Firma vertreibt ein handliches, etwa DIN-A-4-großes Solarmodul namens "Maroshi", das pro Stunde vier Watt an Strom erzeugt. Der wird gespeichert in einer Batterie names "Kalhuohfummi", mit der sich vom iPad über Android-Handys bis hin zur Playstation rund tausend Smartphones und Tablets aufladen lassen. "Jeder soll selbst Energie produzieren können und so ein ganz anderes Bewusstsein für den eigenen Verbrauch entwickeln", sagt Raffauf.

So weit, so tekkie. Klar, Modul und Batterie lassen sich wunderbar auf Outdoor-Trips nutzen, aber von den 4000 Kilowatt-Stunden, die ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt im Jahr an Strom verbraucht, machen Handys und Tablets deutlich weniger als ein Prozent aus.

Nur: Bei Changers, das vom Solartechnik-Unternehmen Centrotherm unterstützt wird, geht es nicht in erster Linie um Technik, noch nicht einmal um Energie. Die vier Gründer - neben Raffauf noch Markus Schulz, Daniela Schiffer und Dirk Gamboa Tuesta - planen eine Art grünes soziales System. "Um wirklich etwas gegen die Erderwärmung zu tun, muss man beim Endkunden beginnen", sagt Schulz, ein Werbefachmann, der vor Changers für diverse Solarfirmen PR machte.

Jeder sein eigener Sonnenkönig

Eines Abends im Januar vergangenen Jahres saß er mit Schiffer und Gamboa Tuesta in seinem Wohnzimmer. Das Gespräch kreiste um die großen Erfindungen - Telefon, Computer - und wie sie immer kleiner wurden, ein immer selbstverständlicherer Teil des Alltags. "Lass uns mal Aldi denken", sagte Schulz. Die Solarwelt müsste sich demokratisieren, Solarmodule ein Konsumentenprodukt werden, massentauglich. Jeder sein eigener Sonnenkönig.

Der Aldi-Teil von Changers steckt in der Kalhuohfummi-Batterie. Sie misst, wieviel Energie erzeugt wurde und lädt die Daten auf die Plattform der Firma. Dort kann jeder Nutzer sehen, wieviel Energie er durch die Sonnenkraft gespart und wieviel CO2 er vermieden hat. Für die Einsparungen gibt es Bonuspunkte, die man dann wieder bei Partnerfirmen einlösen kann, etwa bei einem Unternehmen, das Produkte aus recycelten Materialien verkauft.

Den meisten Nutzern aber dürfte eine andere Sache wichtiger sein: Sie können ihre Zahlen via Facebook oder Twitter mit den Ergebnissen von Freunden vergleichen, von Nachbarn, der Stadt, dem ganzen Land. "Die Menschen mögen Wettbewerb, und hier können sie für etwas Nachhaltiges konkurrieren", sagt Kushtrim Xhakli, der den Bereich "Digitale Medien" im Unternehmen verantwortet.

Stromsparen soll raus aus der wollsockigen Ecke und rein in die hippe Social-Media-Arena. Ein spielerischer Wettkampf, wie gemacht für die grün-lackierten Altbauviertel in Berlin-Prenzlauer Berg und Hamburg-Eimsbüttel. Gesellschaftlicher Druck? Aber bitte gerne! "Wieviel Kilowatt man eingespart hat, sollte im sozialen Netzwerk bald genauso wichtig sein wie die Zahl der Follower auf Twitter", sagt Xhakli.

Das ist der zweite, vielleicht wichtigere Grund, warum Changers an der Westküste, direkt am Silicon Valley, vorgestellt wurde: Hier sind die sogenannten early adopters alle an einem Platz, also die Kunden, die bei neuen Produkten früh zugreifen. Das Faible für spielerische Gadgets und Öko-Technik ist groß, die Menschen aus Prinzip begeistert von Neuem. Als erste Kundin für das 149 Dollar teure Starter-Kit konnten die Deutschen gleich Netz-Expertin Mary Meeker von einer einflussreichen Venture-Capital-Firma gewinnen.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Energie-Reform
Neues EEG tritt zum August in Kraft
Wie stark ist Deutschland wirklich?
"Den Erfolg nicht zu Kopf steigen lassen!"
Stromerzeugung
Texas, das gelobte Land der Windenergie
mm-Grafik
Wann Tanken wenig kostet

© manager magazin online 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH



Hintergründe, Artikel, Fakten

finden Sie auf den Themenseiten zu ...


Eckpunkte der Solarförderung

  • Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 22. Juli 2010)
  • Dachanlagen
    Etwa 80 Prozent aller Solaranlagen in Deutschland sind auf Dächern installiert. Ihre Förderung zum 1. Juli um 13 Prozent sinken und zum 1. Oktober noch einmal um drei Prozent. Faktisch ist die Kürzung durch die höhere Förderung des Eigenverbrauchs allerdings weit niedriger.
  • Eigenverbrauch
    Solarstrom, der selbst verbraucht wird, wird um acht Cent besser vergütet als ins Netz gespeister Strom - sobald die Jahres-Stromerzeugung 30 Prozent überschreitet. Die faktische Förderkürzung sinkt dadurch deutlich.

    Betroffen sind fast alle Anlagen: Die Regelung gilt bis 500 Kilowatt. Eine durchschnittliche Dachanlage hat eine Leistung von fünf Kilowatt, das Fußballstadion Letzigrund in Zürich kommt auf 223 Kilowatt. Die Eigenverbrauchsförderung ist zunächst bis Ende 2011 befristet.
  • Ackerflächen
    Die Förderung entfällt ab Juli 2010, um eine Konkurrenz zum Lebensmittelanbau zu verhindern.
  • Freiflächen
    Die Kürzung für Solarparks soll ab dem 1. Juli um zwölf Prozent sinken und ab dem 1. Oktober um weitere drei Prozent.

    Auf Konversionsflächen wie Mülldeponien, alten Industrie- oder Gewerbeflächen oder Militärgeländen ist die Kürzung geringer, da Investoren wegen der Beseitigung von Altlasten höhere Aufwendungen haben. Sie beträgt zum 1. Juli elf Prozent und zum 1. Oktober noch einmal drei Prozent.
  • Deckelung ab 2011
    Ab Anfang 2011 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen - bei diesem würde die Förderung um weitere neun Prozent gekürzt. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um ein weiteres Prozent. Sprich: Ab 4500 Megwatt beträgt sie 10 Prozent, ab 5500 Megawatt 11 Prozent, etc. Bleibt der Zubau unter der Zielmarke von 3500 Megawatt, wird die Förderkürzung abgemildert. Sie kann damit 2011 zwischen 6 und 13 Prozent schwanken.
  • Deckelung ab 2012
    Auch für 2012 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um drei Prozent. ssu








Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarifvergleich:
Finden Sie den passenden Tarif
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Tablet Tarifvergleich:
Surfen Sie günstiger