Donnerstag, 21. September 2017

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Strafzahlung an Areva Siemens prüft Zukunft seines Atomgeschäfts

Siemens-Konzernzentrale in München: Die teure Strafzahlung an Areva führt offenbar zu einem Umdenken in der Chefetage

Die millionenteure Strafzahlung an seinen Ex-Partner Areva macht Siemens zu schaffen. Der Technologiekonzern stellt sein Nukleargeschäft auf den Prüfstand. Zwar deutet vieles auf einen Atomausstieg der Münchener hin - doch allzu schnell dürfte sich Siemens nicht festlegen.

München - Nach langem Schweigen während des Streits mit seinem früheren Atom-Partner Areva erwägt Siemens offenbar eine Neubewertung seines Nukleargeschäfts. Das Schiedsgerichtsurteil, wonach Siemens eine Vertragsstrafe an Areva zahlen muss und dem französischen Konzern nun früher Konkurrenz machen darf als bisher festgelegt, solle Ausgangspunkt für Gespräche mit dem designierten russischen Partner Rosatom sein.

Ein Konzernsprecher sagte am Freitag: "Wir werden die Implikationen des Urteils des Internationalen Schiedsgerichts mit unseren russischen Gesprächspartnern erörtern." Dabei würden "die Ereignisse in Japan, das weltweite Marktumfeld sowie gesellschaftliche und politische Aspekte berücksichtigt". Eine rasche Festlegung sei allerdings nicht zu erwarten.

Analysten rechnen damit, dass der Münchner Technologiekonzern selbst einen Atomausstieg anstrebt. Siemens Börsen-Chart zeigen hatte sich aus dem mit Areva betriebenen Gemeinschaftsunternehmen Areva NP zurückgezogen und sich mit den Franzosen jahrelang über die Modalitäten gestritten. Solange die Entscheidung des Internationalen Schiedsgerichts ICC ausstand, hatten die Münchner zu ihrer künftigen Atomstrategie geschwiegen. Während sich in Deutschland nach der Reaktorkatastrophe in Japan die endgültige Abkehr von der Atomenergie abzeichnet, halten allerdings viele andere Länder an der Technik fest. Rosatom und Areva rechnen international nicht mit einem Auftragseinbruch.

Areva: Strafe enspricht Höchstmaß für Vertragsbruch

Siemens hat nach Auffassung der Schiedsrichter seine vertraglichen Pflichten bei Areva NP nicht vollständig erfüllt, teilte der Konzern unter Berufung auf den Entscheid am Donnerstagabend mit. Daher müsse Siemens 648 Millionen Euro plus Zinsen an Areva zurückerstatten. Areva triumphierte: "Die Strafe entspricht dem Höchstmaß dessen, was gutachterlich für einen Vertragsbruch durch Siemens vorgesehen war", hieß es aus Paris.

Die Münchener hatten zuletzt nach einem Gutachten für ihren Anteil von gut einem Drittel an dem Gemeinschaftsunternehmen aus Paris gut 1,6 Milliarden Euro erhalten. Am Aktienmarkt war die Beurteilung eindeutig: Die Siemens-Aktie rutschte zum Handelsbeginn leicht ins Minus und war größter Verlierer im Dax Börsen-Chart zeigen, die Areva-Aktie legte in Paris zu. Das Schiedsgericht verkürzte die Frist, in der Siemens Areva beim Reaktorbau keine Konkurrenz machen darf, auf vier Jahre von zuvor acht Jahren. Über die Konkurrenzklausel entscheidet allerdings noch die EU-Kommission separat.

Für Siemens scheint die Regelung aber zunehmend bedeutungslos. Analysten rechnen damit, dass Siemens den Russen ein Ende der gemeinsamen Zukunftspläne möglichst schonend beibringt, um sich dort künftige Geschäftschancen in anderen Bereichen nicht zu verbauen. Denkbar sei etwa, dass die Münchner Rosatom eine technologische Partnerschaft anbieten, in der Siemens die konventionellen Kraftwerksteile für Atomreaktoren liefert.

Siemens-Chef Peter Löscher hatte 2009 die Zusammenarbeit mit Areva aufgekündigt wollte seinerzeit lieber eine Gemeinschaftsunternehmen mit Rosatom eingehen. Bis 2030 würden weltweit 400 neue Atomreaktoren gebaut, über 1000 Milliarden Euro investiert, hatte er seinerzeit vorausgesagt. Zusammen mit Rosatom begann er die Planungen für einen neuen Atomtechnik-Giganten als fünften Anbieter neben Areva, Mitsubishi Börsen-Chart zeigen, der Toshiba Börsen-Chart zeigen-Tochter Westinghouse und dem Bündnis von GE und Hitachi Börsen-Chart zeigen.

wed/rtr

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