Montag, 19. November 2018

Klimawandel "Verzicht ist keine Lösung"

4. Teil: Wenn der Nordpol schmilzt

Levermann: Wenn man alle Probleme technologisch lösen kann, dann ja. Bis dahin müssen wir Übergangslösungen finden und die Energieeffizienz steigern, und da sind 200 km/h auf der Autobahn sicher nicht förderlich. Langfristig gehen wir jedenfalls nicht davon aus, dass Verzicht eine Lösung darstellt. Wir müssen unsere Probleme in den nächsten Jahrzehnten lösen, technologisch und vor allem auch strukturell.

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Denn wir können nicht auf eine neue Generation hoffen, die plötzlich alles richtig macht. Es funktioniert sicher nicht, unseren Kindern und Enkeln plötzlich das Autofahren zu verbieten. Meine Hoffnung ist, dass es dann bessere Fortbewegungsmöglichkeiten gibt. Der derzeitige Zustand scheint mir den Begriff "Individualverkehr" ad absurdum zu führen. Denn es ist nicht besonders individuell, jeden Tag stundenlang im Stau zu stehen. Die Wege für Innovationen sind da, wir brauchen sie nur zu gehen.

mm.de: Beim G8-Gipfel haben die Staatschefs die Absicht bekundet, die CO2-Emmissionen global um 50 Prozent bis 2050 zu reduzieren. Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Levermann. Nein. Wenn das Ziel global umgesetzt wird, dann entspricht das genau dem, was wir benötigen, um unter zwei Grad globaler Erwärmung zu bleiben und hoffentlich die größten Risiken abzuwenden. Dies ist eine gute Zielvorgabe, um die Vermeidungskosten für CO2 gering zu halten und gleichzeitig einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Bisher haben wir zwar nur eine Absichtserklärung gehört, aber sie zeigt in die richtige Richtung.

mm.de: Selbst wenn die Zielvorgabe erreicht werden sollte - ist der Klimawandel damit tatsächlich ausreichend gebremst oder gar gestoppt?

Levermann: Nein. Selbst bei Erfüllung der Ziele könnte das Eis am Nordpol komplett abschmelzen. Aber das Risiko für andere, möglicherweise gefährliche Entwicklungen kann begrenzt werden. Wir haben beispielsweise die Chance, einen möglichen Anstieg der Hurricane-Gefahr in Grenzen zu halten. Komplett stoppen lässt sich der Klimawandel aber nicht mehr – denn er hat ja bereits begonnen.

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