Dienstag, 17. Juli 2018

Klimawandel "Verzicht ist keine Lösung"

2. Teil: "Dritte technologische Revolution"

mm.de: Wie wahrscheinlich ist eine schnelle Klimaveränderung?

Levermann: Sie ist nicht nur wahrscheinlich, sondern völlig sicher. Wir registrieren einen CO2-Anstieg, wie es ihn noch nie gegeben hat. Wenn man sich die Entwicklung der vergangenen 10.000 Jahre ansieht, war die Konzentration nahezu konstant, erst seit 200 Jahren – seit der ersten industriellen Revolution - zeigt die Kurve stark nach oben. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese Entwicklung weiter verstärkt.

mm.de: Die Industrie ist bereits stark um Schadensbegrenzung bemüht. Es gibt Autos mit Hybridmotoren, schadstoffärmere Kohlekraftwerke und einen Boom der Solarwirtschaft. Reicht das nicht aus, um dem Klimawandel Herr zu werden?

Levermann: Moderne Kohlekraftwerke können Rußpartikel herausfiltern, nicht jedoch Kohlendioxid. Da muss man andere Methoden finden, wie beispielsweise das so genannte "carbon capture and storage" - die unterirdische Speicherung der ausgestoßenen Gase. Was die Industrie bis jetzt macht, reicht definitiv nicht aus. Es gibt das Ziel der Europäischen Union, bei der globalen Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu bleiben. Dazu muss der Kohlendioxid-Ausstoß drastisch reduziert werden. Derzeit werden die Emissionen jedoch erhöht. Wir sind sogar noch weit davon entfernt, sie überhaupt ansatzweise zu stabilisieren.

mm.de: Sie haben unlängst bei einer Podiumsdiskussion gesagt, wir bräuchten eine dritte industrielle Revolution. Was muss Ihrer Meinung nach geschehen?

Levermann: Wir müssen unsere Energieversorgung komplett umkrempeln. Das bedeutet auf lange Sicht einen vollständigen Verzicht auf CO2-Emissionen. Effizienzsteigerungen oder die unterirdische Lagerung des Kohlendioxids können nur Übergangslösungen sein. Unser Klimasystem kann von sich aus auf lange Sicht kein CO2 aus der Atmosphäre entfernen.

Ökonomen unseres Instituts sprechen deshalb von der Notwendigkeit einer dritten industriellen Revolution, die ähnlich bahnbrechende Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft hat wie die Einführung des Computers. Entscheidend ist dabei, dass man den Klimawandel nicht nur vermeiden kann - sondern dass diese Vermeidung sogar ökonomisch sinnvoll ist.

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