Mittwoch, 19. Dezember 2018

Cleantech Geld verdienen und sauber bleiben

Noch ist die Autoindustrie die Leitbranche der deutschen Wirtschaft. Doch in wenigen Jahren wird die neue Technologie Cleantech sie verdrängen. Denn die Zeiten sind vorbei, da umweltfreundliche Energietechnik etwas für Traumtänzer war. Eine Bestandsaufnahme am Beginn eines neuen Zeitalters.

Die Cleantech ist ein schlummernder Riese, weit verzweigt und in seiner Ausdehnung so wenig vermessen wie das Rhizom-Geflecht eines Pilzes im Boden. Cleantech-Systeme, -Verfahren und -Geräte tauchen in nahezu allen Wirtschaftszweigen auf. Immer mehr Produkte bauen auf Cleantech auf oder integrieren entsprechende Elemente.

Neue Energie: Die Fossilien gehen zur Neige
[M] DDP; DPA; mm.de
Neue Energie: Die Fossilien gehen zur Neige
Mit der wachsenden Verbreitung wächst der Markt der spezialisierten Zulieferer. Das Bundesforschungsministerium gibt das Weltmarktvolumen für Umwelt- und Klimaschutzgüter mit 55 Milliarden Euro an. Deutschland hat daran den größten Anteil – noch vor den USA und Japan.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger werden die deutschen Cleantech-Branchen bereits im Jahr 2015 ein größeres Umsatzvolumen haben als die Fahrzeughersteller. Der Hightech-Umweltschutz kann demnach die Autoproduktion als Leitbranche unserer Industrienation ersetzen. Im Jahr 2030, so die Berger-Studie weiter, könnte die deutsche Cleantech-Industrie ihren Umsatz von heute 100 Milliarden Euro verzehnfacht haben – auf die imposante Summe von einer Billion Euro.

Technik verbündet sich mit der Natur

Was also ist Cleantech? Die Idee klingt simpel: Die Technik verbündet sich mit der Natur, statt sie auszubeuten wie in den ersten Jahrhunderten der Industrialisierung. Gemäß dieser Vorstellung umfasst der Begriff Cleantech alle Hightech-Verfahren, die schadstoffreduzierend oder ressourcenschonend wirken und somit die Umwelt entlasten.

Dabei geht es längst nicht nur um Emissionsminderung wie etwa in den Filteranlagen, die den Ausstoß von Industrieschloten und von Kohle- und Ölkraftwerken reduzieren. Auch die etwas raffinierteren Katalysatoren für Ottomotoren erfüllen noch nicht die Voraussetzungen, um zur zukunftsträchtigen Cleantech zu zählen. Zwar hilft hier das teure Edelmetall Platin, die Schwefel- und Stickstoffverbindungen aus den Verbrennungsabgasen unschädlich zu machen und so den "sauren Regen" zu verhindern, der in den 70ern und 80ern für das "Waldsterben" auf den Höhenzügen der Mittelgebirge verantwortlich gemacht wurde.

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