Freitag, 16. November 2018

CVC macht Kasse bei Evonik Finanzinvestor steigt aus, Evonik knickt ein

Chemiekonzern Evonik: Der Kurs hat in den vergangenen Monaten stark nachgegeben. Nun steigt Großaktionär CVC aus

Der Ausstieg des Großaktionärs CVC Capital Partners hat am Dienstag die Papiere des Spezialchemiekonzerns Evonik unter Druck gesetzt. Einige Branchenexperten zeigten sich von dem Schritt des Finanzinvestors überrascht, rechneten gleichwohl aber wieder mit einer Kurserholung. So sieht etwa Analyst Nils-Peter Gehrmann von der Privatbank Hauck und Aufhäuser damit nun die Sorge wegen eines Aktienüberhangs bei Evonik beseitigt.

Der Evonik-Kurs rutschte zeitweise am Morgen bis auf 25,21 Euro ab und notierte damit so tief wie seit Anfang April nicht mehr. Zuletzt betrug das Minus noch mehr als viereinhalb Prozent, womit die Papier abgeschlagen auf dem letzten MDax-Platz standen.

Die Beteiligungsgesellschaft veräußerte ihr restliches Evonik-Aktienpaket von rund 4,2 Prozent, wie aus Mitteilungen der beteiligten Banken hervorgeht. Laut Händlern soll der Preis bei 25,50 Euro je Anteil gelegen haben. Der Verkaufserlös dürfte Kreisen zufolge bei etwa einer halben Milliarde Euro liegen.

Für Analyst Lars Hettche von der Frankfurter Privatbank Metzler kommt vor allem der Zeitpunkt der Aktien-Platzierung durch den Großinvestor unerwartet: "Es war klar, dass CVC aussteigen will. Ich hätte aber nicht gedacht, dass sie zu einem Kurs unter 30 Euro verkaufen", so Hettche. Als negatives Signal will aber auch er dies nicht werten.

Investor hat mit Evonik gut verdient

CVC habe bereits mehrere Anteilspakete an Evonik veräußert und dabei ein gutes Geschäft gemacht. "Möglicherweise kann man nun einfach das Geld an anderer Stelle gut gebrauchen und hat sich zum Verkauf entschieden", so Hettche.

Seit Jahresbeginn hat der Evonik-Kurs mehr als 15 Prozent an Wert eingebüßt. Auch die im Mai angekündigte Übernahme des Spezialadditiv-Geschäfts des US-Konkurrenten Air Products and Chemicals hatte die Aktie nur kurzfristig beflügeln können. Lars Hettche sieht hierfür vor allem zwei Gründe: Die Übernahme sei aus seiner Sicht zu teuer gewesen. Zudem läuft es derzeit bei Evonik nicht mehr so rund wie noch vor einem Jahr.

Der Essener Konzern rechnet daher 2016 mit einem Umsatz- und Gewinnschwund. Bereits das erste Quartal war schwächer verlaufen. "Damit setzt sich Evonik in der europäischen Chemiebranche ganz klar negativ ab", sagt Metzler-Analyst Hettche. So schwächte sich das vor einem Jahr noch boomenden Geschäft mit dem Tierfuttereiweiß Methionin zuletzt ab. Hettche verweist auch auf Probleme im Geschäft mit Saugstoffen für Windeln, den sogenannten Superabsorbern, und dem in der Kautschukproduktion verwendeten Gas Butadien.

Für Analyst Thorsten Strauß von der NordLB setzt aber auch die weiterhin hohe Mehrheitsbeteiligung von 68 Prozent der RAG einer positiven Kursentwicklung den Deckel auf. Erst vor kurzem hatte die RAG-Stiftung zur Abdeckung der dauerhaften Lasten des Steinkohlebergbaus die Trennung von weiteren Evonik-Anteilen verschoben und dies mit dem aktuellen Kurs begründet. Ursprünglich hatte die Stiftung weitere Aktien an den Markt abgeben wollen und den Aufstieg von Evonik in den Dax bis Ende 2017 geplant.

la/dpa

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