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26. Februar 2010, 00:20 Uhr

Solarförderung

"Alle haben die Kürzungen kommen sehen"

Von Matthias Kaufmann

Stuart Brannigan tröstet die deutsche Solarbranche: Die angekündigten Förderkürzungen würden ihr nicht den Garaus machen. Der Europa-Chef des chinesischen Solarriesen Yingli hat allerdings gut reden. Mit Discountpreisen und einer guten Weltmarktstellung dürfte sein Konzern von den Einschnitten profitieren.

mm: Der wichtigste Grund für Ihren Erfolg in Deutschland kommt Ihnen gerade abhanden. Die Fraktionen der Regierungskoalition haben diese Woche beschlossen, die Förderung für Solaranlagen, wie sie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorsieht, drastisch zusammenzustreichen. Noch diesen Sommer wird die Neuregelung die Branche mit Wucht treffen. Was machen Sie dann?

Der Brite  Stuart Brannigan  managt seit 2007 das Europa-Geschäft von Yingli. Davor arbeitete er für das deutsche Systemhaus Phoenix Solar. Bei BP Solar, wo er von 1990 bis 2005 arbeitete, war er unter anderem für die Versorgung mit Silizium und Wafern verantwortlich sowie für die Kapitalausstattung.
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Der Brite Stuart Brannigan managt seit 2007 das Europa-Geschäft von Yingli. Davor arbeitete er für das deutsche Systemhaus Phoenix Solar. Bei BP Solar, wo er von 1990 bis 2005 arbeitete, war er unter anderem für die Versorgung mit Silizium und Wafern verantwortlich sowie für die Kapitalausstattung.

Brannigan: Beginnen wir mal so: Dass die Förderung im Laufe der Zeit schrumpft, ist absolut notwendig.

mm: Das von Ihnen! Wieso?

Brannigan: Das liegt an der ganzen Konzeption des EEG, mit dem Deutschland die stolze Leistung gelungen ist, fast im Alleingang aus den bescheidenen Anfängen der Fotovoltaik ein weltweites, riesiges Geschäft wachsen zu lassen - nicht umsonst wird es so oft kopiert. Das EEG nämlich zwingt die gesamte Branche, sich auf Förderkürzungen einzustellen. Von Anfang an gab es recht hohe Subventionen, aber immer mit der Aussicht darauf, dass sie nach und nach verschwinden würden. Für die Unternehmer setzt das eine Art Ultimatum: Sie müssen schnellstmöglich so gut im Geschäft sein, dass sie auch ohne Subvention auskommen. Und ich kann Ihnen versprechen: Egal, welchen Manager Sie fragen, es wird jedem lieber sein, auf eigenen Beinen zu stehen, als lange am Subventionstropf zu hängen.

mm: Die Nachfrage in Deutschland wird dies nachhaltig dämpfen.

Brannigan: Das ist wohl so. Dennoch ist das Konzept als Ganzes richtig. Alle haben doch gewusst, dass es so kommen würde und hatten Zeit, sich darauf vorzubereiten.

mm: Die meisten Branchenvertreter in Deutschland dürften Ihnen im Prinzip zustimmen. Die Fertigung ist effizienter als noch vor Jahren, die Rohstoffpreise sind gefallen. Was den Schritt problematisch macht: Es ist die zweite Fördersenkung binnen einem halben Jahr, erst um 15, dann um 16 Prozent. Die Branche ächzt unter dem strammen Tempo der Kürzungen und fürchtet um Arbeitsplätze. Mit diesem Kahlschlag war wohl nicht zu rechnen.

Brannigan: Das möchte ich nicht kommentieren, solange die Kürzungen nicht Gesetz sind, denn so lange kennen wir ihr Ausmaß nicht sicher. Was wir aber wissen, ist, dass die betroffenen großen Freiflächenanlagen nur rund 20 Prozent des deutschen Marktes ausmachen. Und wir wissen auch, dass hier, in Ihrer europäischen Nachbarschaft, andere Länder starke Fotovoltaikmärkte entwickeln, auf denen erneut mit Wachstum zu rechnen ist: Italien, Frankreich, Spanien, Tschechien - sogar in Großbritannien gibt es derweil einen Fotovoltaikmarkt! Ich glaube deshalb nicht, dass dies das Ende der deutschen Solarindustrie bedeutet

mm: Warum weicht die Wahrnehmung so stark davon ab?

Brannigan: In Deutschland wird immer ein großes Augenmerk auf die Produktion gerichtet. Dabei gehört deutlich mehr zur Branche: Wenn man lediglich die Modulhersteller betrachtet, spricht man lediglich von der Spitze des Eisbergs. Angefangen von universitärer Forschung, über die Banken, die Kredite für Solaranlagen vergeben, über die Maschinenbauer und Anlagentechnik, bis hin zur Systemperipherie und den Installateuren und Monteuren überall in Europa gibt es viele weitere Jobs in der Fotovoltaikindustrie, die in der Diskussion leicht vergessen werden. Ohne alle diese Unternehmen in der Wertschöpfungspyramide würden die Solarmodule niemals auf dem Dach oder auf einer Freifläche landen.

  Yingli Green Energy , gegründet 1998 und seit 2007 an der New Yorker Börse gelistet, hat heute 6000 Mitarbeiter und zehn Niederlassungen weltweit - im Bild eine Anlage zur Silikonverarbeitung im chinesischen Baoding. 2008 lag die Produktionskapazität bei 282 Megawatt, 2009 sollen es knapp 500 Megawatt gewesen sein. Die Produktionsanlagen sind auf eine  Kapazität von 600 Megawatt  ausgelegt.
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Yingli Green Energy, gegründet 1998 und seit 2007 an der New Yorker Börse gelistet, hat heute 6000 Mitarbeiter und zehn Niederlassungen weltweit - im Bild eine Anlage zur Silikonverarbeitung im chinesischen Baoding. 2008 lag die Produktionskapazität bei 282 Megawatt, 2009 sollen es knapp 500 Megawatt gewesen sein. Die Produktionsanlagen sind auf eine Kapazität von 600 Megawatt ausgelegt.

mm: Die meisten landen in Deutschland.

Brannigan: 2008 verließen tatsächlich rund 80 Prozent unserer Verkäufe die Werkshalle mit einem deutschen Empfänger auf dem Adressaufkleber. Das heißt aber nicht, dass die gesamte Menge auf deutsche Dächer geschraubt wurde. Viele dieser Module wurden in Märkten außerhalb Deutschlands verbaut, damals beispielsweise Spanien. Unsere Kunden sind globale Akteure, die einen nachlassenden Markt in Deutschland gut ausgleichen können.

mm: Bei Ihrer weltweiten Imagekampagne gehen Sie in die Vollen und treten als Sponsor der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika auf. Warum lieben es die Chinesen eigentlich immer so gigantisch?

Brannigan: Wie meinen Sie das?

mm: Das dürfte einer der teuersten Werbeplätze in der Welt sein.

Brannigan: Oh, ich verstehe, worauf Sie hinauswollen. Leider darf ich über Summen nicht sprechen, das verbietet uns der Vertrag mit der Fifa. Wir gehören aber nicht zu den Dauersponsoren wie etwa Sony, die sehr langfristig werben und jedes Mal dann auftauchen, wenn das WM-Logo gezeigt wird. Unser Sponsoring ist vorläufig eher kurzfristiger Natur, und wir sind recht spät in die Gespräche eingestiegen. Außerdem sind die Zahlungen über einen größeren Zeitraum gestückelt. Ich glaube, dass der Deal nicht annähernd so viel kostet, wie Sie denken.

mm: Ein wenig Imagewerbung kann nicht schaden. Immerhin werden chinesische Unternehmen im Westen oft in Verbindung gebracht mit mieser Qualität, Patentklau und Umweltverschmutzung.

Brannigan: Sie haben recht, es gibt ein Wahrnehmungsproblem für chinesische Unternehmen im Westen, so wie die japanische Exportindustrie vor 15 Jahren eins hatte. Heute ist Japan in vielen Technologien führend und - trotz mancher Rückrufe - bekannt für beste Qualität.

mm: Warum sollte es China genauso gehen?

Brannigan: Weil China schon heute beweist, dass es hohe Qualität liefern kann, etwa als Zulieferer renommierter Marken. Zum Beispiel Apple oder Blackberry, um nur zwei zu nennen. Wir wissen, dass wir aufgrund der Klischees, von denen Sie sprechen, noch härter an unserer Qualität arbeiten müssen als unsere westliche Konkurrenz, um einen guten Ruf zu erwerben.

mm: Auch soziale Fragen spielen eine Rolle. Sie können hauptsächlich deshalb so billig produzieren, weil Ihre Fabrikarbeiter zwölf Stunden am Tag arbeiten und 200 Euro im Monat verdienen.

Förderkürzung: Solarfirmen wirtschaften künftig auf neuer Grundlage
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Corbis

Förderkürzung: Solarfirmen wirtschaften künftig auf neuer Grundlage

Brannigan: Sie bekommen fast 300 Euro und freie Mahlzeiten, damit gehören wir zu den besten Arbeitgebern der Region. Sie dürfen nicht vergessen, was sich ein chinesischer Arbeiter von diesem Geld kaufen oder zusammensparen kann. Mit einem Münchener Gehalt sähen Sie in London auch arm aus.

mm: Bei all diesen Vorurteilen - haben Sie nie darüber nachgedacht, den Markennamen so zu ändern, dass er nicht sofort als chinesisch erkannt wird? So wie Ihr Mitbewerber, Suntech.

Brannigan: Yingli ist ein chinesisches Unternehmen, und darauf sind wir stolz. Unser Teamgeist, unsere Leidenschaft - das ist typisch chinesisch. Ich glaube, wir sind die Ersten, die in Europa so offen mit unserer chinesischen Herkunft umgehen. In wenigen Jahren wird das selbstverständlich sein.

mm: Was macht Yingli denn nun anders, abgesehen von billigen Löhnen, um so erfolgreich am Weltmarkt zu sein?

Brannigan: Löhne sind nur ein kleiner Teil der Gesamtkostenstruktur. Die Besonderheit von Yingli ist, dass der Konzern eine einmalige vertikale Integration aufweist. Von der Siliziumverarbeitung über Ingots, Wafer und Solarzellen bis hin zu den Modulen kontrollieren wir jede Stufe des Herstellungsprozesses. Das ist für uns ein unbezahlbarer Vorteil, weil wir von Marktschwankungen in der Wertschöpfung unabhängig sind. Außerdem greift überall unsere Qualitätskontrolle, und technische Neuentwicklungen kommen jeder Verarbeitungsstufe zugute. Letztlich senken wir vor allem so die Produktionskosten.

mm: Deutsche Konkurrenten beklagen bei Ihnen eine besondere Form des nationalen Zusammenhaltes. Sie behaupten, dass quasi-staatliche Banken Sie mit Krediten versorgen, wie sie nicht-chinesische Unternehmen nirgends bekommen. Das käme Subventionen gleich.

Brannigan: Ich bin froh, dass Sie das ansprechen, weil wir diese Behauptung tatsächlich öfters hören. Dabei ist sie so leicht zu widerlegen. Schließlich sind wir an der New Yorker Börse notiert und müssen unsere Bilanzen offenlegen. Ich lade Sie zu einer Überprüfung ein: Derlei versteckte Subventionen gibt es nicht. Die einzigen Staatsgelder, die wir bekommen, sind übliche Fördermittel für Forschung und Entwicklung. Das ist so wenig, dass es sich in unserer Bilanz kaum auf die Nachkommastellen auswirkt.


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