Hamburg - Wie kaum ein anderes Unternehmen steht Scheuten Solar in Gelsenkirchen für den wirtschaftlichen Aufbruch in die Zukunft. Lautet das ökonomische Leitmotiv in der Ruhrgebietsstadt doch "Sonne statt Kohle".
Doch nun hat die Firma Insolvenz angemeldet - als erstes größeres Unternehmen seit der durch die Bundesregierung angekündigten Förderkürzung für Sonnenstrom. Der Insolvenzverwalter bestätigte Recherchen von manager magazin Online am Nachmittag in einer offiziellen Mitteilung.
Die bereits von 450 auf 233 Beschäftigten reduzierte Belegschaft steht vor einer unsicheren Zukunft. Das Unternehmen hatte zuletzt einen Verlust von elf Millionen Euro gemeldet und Stellenstreichungen angekündigt. Vorstandschef Hans Willemsen nannte den Wettbewerbsdruck mit chinesischen Billiganbietern "extrem". Die Preise seien in den vergangenen 18 Monaten um 50 Prozent gefallen.
Shell-Solar-Fabik aus Händen von Solarworld übernommen
Einen direkten Bezug zu den deutschen Förderkürzungen stellte das Unternehmen nicht her. Der wichtigste Markt von Scheuten sei aber Europa, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters gegenüber manager magazin Online. Branchenkenner rechnen mit deutlich schlechteren Finanzierungsbedingungen für Solarfirmen in den kommenden Monaten.
Scheuten hatte bereits 2009 einen Teil seiner Produktionsanlagen in Gelsenkirchen an den kanadischen Konkurrenten Arise verkauft. Die Firma ist schon länger in der Insolvenz und hat Scheuten den Kaufpreis für die Anlagen bis heute nicht überwiesen, wie der Insolvenzverwalter-Sprecher sagt.
Scheuten Solar war 2004 nach Gelsenkirchen gekommen und hatte dort später die ehemaligen Produktionsstätten von Shell Solar aus der Hand von Solarworld übernommen. Vorstandschef Willemsen war im September 2010 von dem Mineralölkonzern
zu Scheuten gekommen.
In Gelsenkirchen sind nun insgesamt vier Tochtergesellschaften in Insolvenzverfahren. Sie sind vor dem Amtsgericht Essen eröffnet worden.
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