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12.01.2012
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Ölindustrie

Das Geschäft mit den Milliardenklagen

Von Kristian Klooß

Desaster: Die teuersten Ölkatastrophen im Überblick
Fotos
DPA/ Total

Mineralölkonzerne wie Chevron, Shell und BP schreiben Milliardengewinne - und werden gleichzeitig mit gigantischen Klagen wegen mutmaßlicher Umweltfrevel überzogen. Die Gewinnsprünge sind leicht nachvollziehbar, die Strafgelder meist nicht. Das sehen zumindest Anleger und Analysten so.

Hamburg - Es gibt zwei Arten von Milliardenbeträgen, mit denen die großen Ölkonzerne in den vergangenen Wochen und Monaten rechnen.

Mit den einen rechnen sie gerne: Es sind die Gewinne, die zuletzt nur so sprudelten. Der Grund: Die Ölpreise haben sich seit Anfang 2009 nahezu verdreifacht. Kostete ein 159-Liter-Fass der Nordseemarke Brent vor drei Jahren noch rund 40 Dollar, sind es heute rund 113 Dollar. Der zweitgrößte US-Ölkonzern Chevron hatte am Mittwoch zwar einen Gewinnrückgang verkündet - allerdings nur wegen schwächelnder Geschäfte in der Mineralölverarbeitung. Bei der Förderung von Öl und Gas läuft es weiterhin wie geschmiert. An der Börse wird Chevron Chart zeigen derzeit mit rund 210 Milliarden Euro bewertet - so hoch wie nie zuvor.

Und doch steht gerade Chevron ebenso sehr für jene Milliardenbeträge, mit denen die Mineralölkonzerne gar nicht gerne rechnen: den in die Höhe schnellenden Schadenersatzforderungen wegen vermeintlicher Umweltfrevel, vor allem in Südamerika.

So wurde Chevron Anfang Januar in Ecuador dazu verurteilt, wegen schwerer Verschmutzung des Regenwaldes im Amazonasbecken bis zu 18,14 Milliarden Dollar (knapp 14,2 Milliarden Euro) Strafe zu zahlen. Ein Berufungsgericht hatte dabei ein entsprechendes Urteil vom Februar 2011 bestätigt.

Damals hatte der Gerichtshof der von den Umweltschäden betroffenen Provinz Sucumbios geurteilt, dass Chevron für die Zerstörung von Regenwald 8,64 Milliarden Dollar zahlen muss. Das neue Urteil sieht zudem ein Bußgeld in Höhe von 10 Prozent der Strafe vor. Außerdem eine Verdoppelung des Betrags, falls Chevron sich nicht bei den rund 30.000 in einer Opfervereinigung zusammengeschlossenen Klägern entschuldige. "Es ist Gerechtigkeit geübt worden", sagte Ecuadors Präsident Rafael Correa angesichts des Urteils. Der Schaden, den Chevron im Amazonas-Gebiet angerichtet habe, sei nicht zu leugnen.

Milliardenstrafe: Chevron sieht "krasses Beispiel für Korruptheit"

Chevron sieht das anders. Das Urteil, so der Konzern in einer Stellungnahme, sei "ein weiteres krasses Beispiel für die politische Schieflage und die Korruptheit der ecuadorianischen Justiz". Diese habe den Prozess von Beginn an belastet.

Chevron will sich deshalb weiterhin vor internationalen und US-Gerichten gegen die Vollstreckung des Urteils wehren. Zumal der Konzern angeblich zahlreiche Beweise für Betrug und Korruption von Seiten der Klägeranwälte vorlegen könne. Kein Gericht, das rechtsstaatliche Prinzipien respektiere, würde das Urteil von Ecuador umsetzen.

Diese Sicht der Dinge teilt der Ölkonzern mit Anlegern und Analysten. "Die Tatsache, dass das Gericht wegen einer Nicht-Entschuldigung die Schadenersatzforderung auf 18 Milliarden verdoppelt hat, darf schon als absurd bezeichnet werden", sagt Sven Diermeier, der Chevron für Independent Research analysiert. Gegen die Vollstreckung des Urteils spreche darüber hinaus, dass Chevron sich bereits in den 90er Jahren aus Ecuador zurückgezogen habe. "Der Konzern hat keine nennenswerten Assets mehr in Ecuador, weshalb auch die Regierung kaum Druck ausüben kann."

Komplizierter ist die Situation für Chevron jedoch in Brasilien. Denn auch dort steht dem Konzern eine milliardenschwere Klage ins Haus.

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