Düsseldorf - Der Chef des Energieriesen RWE
, Jürgen Großmann, sieht nach dem Gewinneinbruch durch die Atomwende erste Zeichen für eine Trendwende. "Auch die kommenden Jahre werden schwierig für uns, aber ich bin optimistisch, dass wir die vor uns liegende Talsohle zügig durchqueren", sagte Großmann am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal. So habe es etwa bei den Gesprächen mit den Gaslieferanten über günstigere Verträge Fortschritte gegeben.
Das schwache Gasgeschäft drückt neben den Einbußen durch den Atomausstieg auf die Margen des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns. Großmann bestätigte nach einem Gewinneinbruch in den ersten neun Monaten die Prognose für 2011. Der Umsatz werde hingegen wohl das Vorjahresniveau erreichen und nicht wie zuletzt erwartet leicht sinken.
Der im kommenden Jahr scheidende RWE-Chef erwartet 2011 einen Rückgang des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um etwa 20 Prozent. Das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis werde um 35 Prozent fallen. Von Januar bis Ende September schrumpfte das Ebitda um 21,1 Prozent auf 6,244 Milliarden Euro. Die Erlöse gingen um knapp ein Prozent auf 38,167 Milliarden Euro zurück. Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 38,807 Milliarden Euro gerechnet und einem Ebitda von 6,232 Milliarden Euro.
RWE hatte nach dem beschleunigten Atomausstieg seine beiden Meiler im hessischen Biblis stilllegen müssen. Damit gehen dem Unternehmen wichtige Gewinnbringer verloren. Zudem machen dem Versorger - wie auch seinem Konkurrenten Eon - die Belastungen aus der Brennelementsteuer und ein schwächelndes Gasgeschäft zu schaffen. Bei Eon
brach der Konzernüberschuss um 70 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro ein.
In der Stromerzeugung in Deutschland musste RWE in den ersten neun Monaten einen Rückgang des Ebitda um ein Drittel auf 2,4 Milliarden Euro hinnehmen. Die Sparte Trading/Gas Midstream verbuchte einen Verlust von 831 Millionen Euro nach einem Gewinn von 75 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. RWE leidet wie Eon darunter, an Lieferanten wie dem russischen Gazprom-Konzern aufgrund von langfristigen Verträgen noch hohe Preise zahlen zu müssen, während die eigenen Kunden nur die inzwischen gefallenen Spotpreise berappen wollen.
Die ersten langfristigen Kontrakte seien auf für RWE günstigere Preisindexierungen umgestellt oder einvernehmlich vorzeitig beendet worden, teilte RWE nun mit. Großmann will günstigere Konditionen für die Verträge auch im Rahmen seiner Verhandlungen mit Gazprom über eine Kooperation im Kraftwerksbereich durchsetzen.
cr/rtr/dpa
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