Von Arvid Kaiser
Hamburg - Conergy zieht ehemalige Vorstände vor Gericht. "Ja, das ist Gegenstand der laufenden Hauptversammlung", bestätigte ein Unternehmenssprecher Informationen des manager magazin am Freitag, während die Aktionäre des Solarkonzerns im Hamburger Congress Centrum tagten. Das Unternehmen habe am Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht Klage auf Schadensersatz in Höhe von 268 Millionen Euro eingereicht. Hintergrund seien Vorwürfe der Pflichtverletzung.
Der frühere Konzernpatron Dieter Ammer zählt nicht zu den Beklagten. "Die Klage richtet sich nicht gegen den damaligen Aufsichtsrat", erklärte der Conergy-Sprecher. Nach Informationen von manager magazin zählen zu den Betroffenen aber unter anderem der ehemalige Vorstandschef Hans-Martin Rüter und der bis 2007 amtierende Finanzvorstand Heiko Piossek.
Rüter wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme gegenüber manager magazin inzwischen zurück. Einen Vergleich mit Conergy hatte er abgelehnt.
Außerdem stand Conergy demnach zuletzt vor einer außergerichtlichen Einigung mit einigen Ex-Managern auf eine deutlich niedrigere Summe. Dafür war zunächst jedoch noch keine Bestätigung zu erhalten. Mit dem strafrechtlichen Vorwurf der Kursmanipulation hat die privatrechtliche Klage nichts zu tun.
Gegen Ammer und fünf weitere frühere Topmanager von Conergy
ist bereits die Hamburger Staatsanwaltschaft
aktiv geworden. Die Behörde hat im Juli Anklage wegen Verdachts der Marktmanipulation, der Bilanzfälschung sowie des Insiderhandels erhoben. Die Beschuldigten sollen die Krise des Unternehmens verschleiert und mit dem Verkauf eigener Conergy-Aktien rund 42 Millionen Euro erlöst haben.
Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit von Dezember 2006 bis April 2007. Um die Schieflage des damals als Erfolgsstory gefeierten Solarzellenherstellers zu verschleiern, soll das Management bewusst den Geschäftsbericht für 2006 gefälscht haben, um aus roten Zahlen schwarze zu machen.
Unter anderem habe Conergy einen zu hohen Gewinn aus dem Verkauf und der anschließenden Zurückmietung der eigenen Solarzellenfabrik in Frankfurt (Oder) bilanziert. Außerdem sei entgegen der Ad-hoc-Pflicht die Suche nach einem neuen Finanzvorstand zunächst geheim gehalten worden. Ammer hat die Vorwürfe stets bestritten, aber seinen Sitz im Aufsichtsrat abgegeben.
"Die Anschuldigungen erachten ich und die anderen Altvorstände als substanzlos und falsch", teilte Ex-Chef und Unternehmensgründer Rüter gegenüber manager magazin mit und wies darauf hin, dass es bei der Schadensersatzklage nicht um den Vorwurf der Bilanzfälschung gehen.
Die Hauptversammlung war zugleich Schauplatz eines
außergewöhnlichen Machtkampfs. Die Großaktionäre, der Hedgefonds York Capital und die Deutsche Bank
, hatten jeweils einen Kandidaten für den Vorsitz des Aufsichtsrats ins Rennen geschickt. Beide sind über den Umtausch von Schuldtiteln in Eigenkapital in den Besitz großer Conergy-Aktienpakete gelangt.
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