Von Kristian Klooß und Janina Liersch
Ebenfalls unterschätzt wird nach Ansicht Hummels die Kapitalbeschaffung der chinesischen Solargiganten. "Während die deutschen Anbieter in vergleichsweise kleinen Indizes wie dem SDax oder dem TecDax vertreten sind, beschaffen sich die chinesischen Unternehmen ihr Geld über Nasdaq und NYSE", sagt Hummel. "So entsteht ein Dreibein: Finanzierung in den USA, Produktion in China, Absatz in Europa."
Gerade in der Produktion zieht es vor diesem Hintergrund auch Deutschlands kapitalstarke Hersteller nach Fernost. Schott Solar hat Anfang des Jahres ein Joint Venture in China gegründet. Und Bosch hat angekündigt, 520 Millionen Euro in eine neue Solarfabrik in Malaysia zu stecken. Im Bundesstaat Penag will der Industriekonzern bis Ende 2013 in die Produktion einsteigen. Nach dem Endausbau im Jahr 2014 sollen 2000 Beschäftigte in der Fabrik arbeiten und Solarzellen mit einer Gesamtspitzenleistung von 640 Megawatt pro Jahr herstellen. Neben den niedrigen Produktionskosten hat Bosch allerdings auch eine weitere Entwicklung im Auge: den dynamisch wachsenden Solarmarkt in Asien. Er soll künftig von Malaysia aus bedient werden.
Das auch Q-Cells im Zuge der Umstrukturierung seine Produktion nach Malaysia verlagern will, hat vor allem in Sachsen-Anhalt für Wirbel gesorgt. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) brach gar seinen Urlaub ab, um sich für den Erhalt des Solarstandorts Sachsen-Anhalt starkzumachen. Von der Bundesregierung forderte er bereits Unterstützung. "Diejenigen, die in Deutschland und Europa Solarparks bauen, müssen Zugang zu Kapital haben", sagte Haseloff. Die Politik müsse "klare Signale" geben und stabile gesetzliche Grundlagen schaffen.
Einige Major-Player könnten ohne Subventionen auskommen
"Von solchen politischen Aussagen halte ich wenig", sagt Fotovoltaikexperte Wolfgang Hummel. "Es gibt einfach zu viele deutsche Unternehmen, die nur in der Regionalliga oder der Zweiten Bundesliga spielen." Eine Konsolidierung würde dem Markt seiner Ansicht nach gut tun. "Da gibt es Unternehmen, die haben 50, 80, 110 Mitarbeiter." Zu wenig im Vergleich zur Weltspitze. "Ein Vergleich damit, was die anderen besser machen, wäre angebrachter, als noch mehr Subventionen zu fordern."
Das Dutzend ausländischer Staaten, das die Solarenergie bislang fördert und somit deutschen Herstellern als Absatzmarkt dient, hat Hummel jüngst in einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Technik untersucht. Das Ergebnis ist betrüblich.
In diesem Jahr bleiben die Hauptmärkte Spanien, , Italien, Tschechien im Vergleich zu 2010 weit hinter den Erwartungen zurück. Der Grund: In all diesen Ländern wurden Förderungen gekürzt, der Solarzubau mit Kappungsgrenzen versehen oder - teilweise rückwirkend - Steuern auf Solaranlagen erhöht. Die hohen Erwartungen an neue Märkte wie Großbritannien, Australien und die Türkei haben sich ebenfalls nicht erfüllt. Aufgrund von Sparzwängen wurden die Einspeisetarife niedrig angesetzt und Förderprogramme weitgehend auf Eigenheime beschränkt. Die von vielen als Zukunftsmarkt eingeschätzten Vereinigten Staaten zeigen zwar Wachstum, doch sind alle Solarprogramme von möglichen Einsparmaßnahmen bedroht. Und in Japan machen bürokratische Zulassungs- und Genehmigungsverfahren den Marktzugang nahezu unmöglich.
Die Haushaltsprobleme in den meisten Ländern der Welt verbessern Aussichten nicht unbedingt.
Den deutschen Herstellern hilft auch nicht, dass aus Sicht der gesamten Branche der schlimmste Fall, die Streichung aller Subventionen, inzwischen sogar verkraftbar wäre. "Es würde zwar zu einer Marktbereinigung kommen", sagt PRTM-Geschäftsführer Hans Kühn. "Allerdings gibt es nach unseren Berechnungen bereits einige Major-Player, die schon jetzt in der Lage wären, ohne Subventionen zu arbeiten." Die, so der Experte, kämen aber fast ausnahmslos aus Asien.
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