Von Ursula Schwarzer
Hamburg - Die Zeit von Andreas von Zitzewitz als stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden des Solarunternehmens Conergy
ist heute abgelaufen. Das hat das manager magazin exklusiv aus Unternehmenskreisen erfahren. Er werde heute mit sofortiger Wirkung abberufen. Der Grund für seine Ablösung sind unüberbrückbare Differenzen mit dem Aufsichtsrat, wie aus Unternehmenskreisen verlautet.
Im März 2008 war der frühere Infineon-Vorstand zu Conergy gekommen, im Juli 2009 stieg er zum Vize-Chef mit den Verantwortungsbereichen Produktion, Einkauf und Logistik auf. Ende des Jahres sollte Zitzewitz den Vorstandsvorsitz von Dieter Ammer übernehmen.
Doch in den letzten Verhandlungen mit seinem Arbeitgeber verzockte sich Zitzewitz. Er forderte unter anderem, dass er sich sein künftiges Vorstandsteam alleine zusammenstellen dürfe - ohne Mitspracherecht des Aufsichtsrates. Auch bei bestimmten Projekten wollte er die Kontrolleure aussen vor halten. Der Aufsichtsrat sah keine Möglichkeit, den von Zitzewitz plötzlich erhohenen Ansprüchen in den schon weit gediehenen Verhandlungen zu entsprechen und trennte sich von dem Manager. Ein Ersatzmann für Zitzewitz steht noch nicht fest.
Die Personalie trifft Conergy just in einer Situation, da sich das lange Zeit in seiner Existenz bedrohte Unternehmen wieder zu erholen scheint: Erstmals nach drei verlustträchtigen Jahren erwirtschaftete Conergy im zweiten Quartal 2010 schwarze Zahlen, das Ergebnis nach Steuern lag bei knapp acht Millionen Euro. Die Umsätze übertrafen mit 239 Millionen Euro das Vorjahresquartal um 50 Prozent.
Auch für von Zitzewitz selbst dürfte die Abberufung ein Schlag sein. Im Sommer 2005 hatte er nach langem Warten beste Chancen auf einen Topposten im Milliardenkonzern Infineon. Zitzewitz, damals Vorstand des Dax-Unternehmens, galt als bester Kandidat für den Chefposten der Tochter Qimonda. Doch dann musste Zitzewitz einräumen, Schmiergeld von einem Geschäftspartner genommen zu haben. Seine Karriere bei Infineon war damit beendet. Der neue Job bei Conergy hätte nun ein Neuanfang als Topmanager bedeuten können. Diese Hoffnung dürfte sich für von Zitzewitz heute zerschlagen haben.
© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH