Sorgen bereitete Experten vor allem die Tatsache, dass sich die Größe des Ölteppichs innerhalb eines Tages fast verdreifachte. Das Öl breite sich weit schneller aus als bislang gedacht, erklärte Hans Graber von der Universität von Miami nach der Auswertung von Satellitenbildern. Hatte der Ölteppich am Donnerstag noch eine Größe von fast 3000 Quadratkilometern, so waren es am Freitagabend rund 9900 Quadratkilometer. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Fläche von Rheinland-Pfalz.
Strittig war auch weiter, wie viel Öl eigentlich unter Wasser an dem geborstenen Bohrloch austritt. Ein Sprecher der Küstenwacht erklärte am Samstag, es seien nahezu 800.000 Liter, die jeden Tag hinzu kämen. Wenig später sagte hingegen der von Obama zur Bewältigung der Krise eingesetzte Admiral Thad Allen von der Küstenwacht, es sei völlig unmöglich eine genaue Schätzung abzugeben, da das Leck in rund 1500 Metern Tiefe liege.
Sorgen bereitete Wissenschaftlern auch, dass das Öl in Meeresströmungen kommen könnte, die es innerhalb kürzester Zeit bis zur Küste von Florida spülen. Die Justizminister von Alabama, Florida, Mississippi, Louisiana und Texas wollten am Sonntag über die rechtlichen Optionen beraten, den Auswirkungen des Ölteppichs zu begegnen. Dazu zähle auch die Möglichkeit, BP und andere Firmen zu verklagen. BP betrieb die Ölbohrplattform, deren Havarie am 20. April die Katastrophe auslöste.
BP hat nach eigenen Angaben das Ausmaß der Katastrophe nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" völlig unterschätzt. Aus einer Risikoanalyse von BP für die Bohrinsel "Deepwater Horizon" geht hervor, dass der Konzern die Möglichkeit eines Unglücks mit katastrophalen Wirkungen heruntergespielt hat. In der 52 Seiten umfassenden Einschätzung heißt es, ein Unfall mit ernsten Umweltgefahren sei unwahrscheinlich oder nahezu unmöglich. Was sich im Golf von Mexiko ereignet habe, sei beispiellos, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AP. "So etwas haben wir noch nicht erlebt, einen Ausbruch in dieser Tiefe."
Heftige Winde legten am Samstag die verzweifelten Versuche, den Ölfilm in Schach zu halten, weitgehend lahm. Erst im Laufe der Woche, so Meteorologen am Sonntag, wird eine deutliche Verbesserung erwartet. Der Ölkonzern lieh sich auch bei Konkurrenten Ideen, um das austretende Öl zu bekämpfen. So wurden Chemikalien zum Auflösen des Öls auch unter Wasser eingesetzt, damit dieses erst gar nicht an die Oberfläche kommt. Außerdem wird ein weiteres Loch in der Nähe des beschädigten Bohrlochs gebohrt, um das Hauptbohrloch mit Schlamm und Beton zu schließen. Das kann aber bis zu drei Monate dauern.
manager magazin mit Material von ap, afp und dpa-afx
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