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30.03.2010
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Ölmarkt

Langer Abschied vom billigen Sprit

Von Arvid Kaiser

3. Teil: "Friedlicher Wandel zu einer schrumpfenden Wirtschaft"

Ein Beispiel für mögliche Innovationen seien effizientere Fördertechniken. Aus den Ölfeldern würden nur 30 bis 35 Prozent des darin enthaltenen Öls geholt. Die Gründe seien physikalisch, technisch, aber auch ökonomisch. "Es wird nur so viel gefördert, wie sich rechnet", sagt Rempel. Ein dauerhaft hoher Ölpreis könne das Problem mildern, indem auch teurere Quellen und Förderungsmethoden profitabel werden. Doch auch Rempel glaubt nicht, dass die weltweite Förderung (derzeit knapp vier Milliarden Tonnen jährlich) jemals fünf Milliarden Tonnen übersteigen könnte. Die IEA-Prognose bis 2030 sei "nicht realisierbar".

Das begrenzte Angebot allein ist nicht das Problem. Es trifft aber nach den meisten Prognosen nach Ende der Krise auf wieder steigende Nachfrage. Laut IEA steigt der Bedarf von 85 Millionen Fass täglich bis 2030 auf 105 Millionen. Zwar leben viele Nationen inzwischen sparsamer als früher. In Deutschland ist der Ölverbrauch seit 1978 um ein Drittel gesunken, in Russland hat er sich seit 1990 fast halbiert. Doch vor allem aufstrebende asiatische Volkswirtschaften wie China oder Indien legen kräftig zu und treiben so den Preis.

Das Lager der Mahner und Warner wächst. Der frühere texanische Ölmagnat Thomas Boone Pickens hält 85 Millionen Fass für das maximale tägliche Angebot. "Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt", warnte er den US-Senat, "muss der Preis steigen, bis die Nachfrage verschwindet". Pickens steckt seine Milliarden jetzt in Windräder. Selbst das notorisch optimistische US-Energieministerium räumt jetzt ein, dass bis 2015 neue Reserven in der Größenordnung von Topproduzent Saudi-Arabien erschlossen werden müssten.

"Wir dürfen uns von der Ölklemme nicht so überraschen lassen wie von der Kreditklemme", mahnt Richard Branson, der Gründer der Virgin-Gruppe und Mitglied der britischen "Peak Oil Industry Taskforce". Selbst IEA-Chefökonom Fatih Birol sagt, "wir sollten uns vom Öl abwenden, bevor es uns ausgeht". Doch Geologe Blendinger sieht nicht einmal in erneuerbaren Energien einen Ausweg, der ohne fossile Brennstoffe auskommt. Er hält radikalere Konsequenzen für notwendig: "Wir müssten uns vom tödlichen Wachstumsgedanken verabschieden und uns auf einen friedlichen Wandel zu einer schrumpfenden Wirtschaft einstellen."

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