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19.12.2009
 

Gescheiterter Gipfel

Das Klima ist systemrelevant

Von Matthias Kaufmann

Kopenhagen endet im Desaster. Das Scheitern des Gipfels hat die dänische Leitung des Klimagipfels zu verantworten - und alle Industriestaaten. Den Staatschefs ist es nicht einmal gelungen, sich auf einen Minimalkompromiss zu einigen.

"Wäre das Klima eine kapitalistische Großbank, hätten die reichen Staaten es längst gerettet." Der Satz ist plakativ. Er stammt ja auch von Venezuelas Präsident Hugo Chávez, der bekannt ist für seine Vorliebe, auf die ganz große Pauke zu hauen.

Klimaschuld: Die Industriestaaten und China hätten sich rühren müssen - haben aber Diplomatenmikado gespielt
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Corbis

Klimaschuld: Die Industriestaaten und China hätten sich rühren müssen - haben aber Diplomatenmikado gespielt

Dennoch wäre es gefährlich, wenn die Kritik, die darin steckt, lediglich als Chávez' üblicher Budenzauber abgetan würde. Denn seinen Kritik ist berechtigt.

Der Klimagipfel von Kopenhagen ist grandios gescheitert. Den Staatschefs ist es nicht einmal gelungen, sich wie so oft in einer High-Noon-Dramaturgie auf einen Minimalkompromiss zu einigen. Damit hat sich die Staatengemeinschaft weder auf ein verbindliches CO2-Reduktionsziel einigen können, noch hat sie festgeschrieben, wer welchen Teil der Kosten von Klimamaßnahmen übernimmt. Im letzten Kompromissentwurf war noch nicht einmal mehr das Ziel zu finden, bis 2010 einen rechtlich verbindlichen Klimavertrag auszuarbeiten. Das ist erbärmlich.

Die Schuld an diesem trostlosen Ergebnis tragen eben jene "reichen Staaten". Das sind die westlichen Industrieländer. Und gemessen am Verhandlungsgewicht und am CO2-Ausstoß muss man zu den Reichen auch China zählen.

Sicher, es haben alle ihren Teil dazu beigetragen, einen Kompromiss unmöglich zu machen. Chávez Forderung im Vorfeld: "Verändern wir das System, um den Planeten zu retten", mag man gut finden oder schlecht, doch sie löst so zuverlässig Abwehrreflexe aus, dass sie fürs diplomatische Parkett schlicht ungeeignet ist.

Die reichen Staaten hätten es aber in der Hand gehabt, für mehr Bewegung zu sorgen. Gewiss, das kostet viel Geld. Die Summen, die alleine in Deutschland für den Klimaschutz bewegt werden müssen, sind horrend, wie eine exklusive Studie für manager magazin zeigt. Aber - auch das zeigt die Studie - sie sind eine Investition. Und wie DIW-Expertin Claudia Kemfert für manager magazin vorrechnet, sind diese Kosten für die Industriestaaten alles andere als untragbar.

Mehr noch, die Industriestaaten waren sogar in der Pflicht, den Entwicklungs- und Schwellenländern bei den Lasten des Klimaschutzes entgegen zu kommen. Denn es ist, wie der frühere Exekutivdirekter des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, sagt: Jahrzehntelang durften sie ihren Wohlstand mehren und dabei gratis CO2 in die Atmosphäre blasen. Die Klimalast dafür trägt nun die ganze Welt. Doch in einem Zeitalter, da man CO2 einen Preis beimessen kann, muss man erwarten, dass sich die Industriestaaten an den Kosten dieser Klimalast beteiligen. Sie haben sich einen Entwicklungsvorsprung verschafft, ohne an den Kosten beteiligt zu werden.

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