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16.12.2009
 

Klimaschutz

Industrie hat die Politik längst abgehängt

Von Carsten Gerhardt

Sollte der Gipfel von Kopenhagen scheitern, wäre das eine Katastrophe für die Politik - aber nicht für das Klima. Längst sitzen die größten Verbündeten des Klimaschutzes nicht mehr in Regierungen, sondern in Vorständen weltweit, meint Carsten Gerhardt, Experte für Nachhaltigkeit bei A.T. Kearney, im Gastkommentar für manager magazin.

Der Weltklimagipfel in Kopenhagen ist an einem entscheidenden Punkt angelangt. Entwicklungsländer drohen mit dem Abbruch der Verhandlungen, wenn die Industriestaaten nicht bereit sind, einen größeren Teil der Kosten zu tragen, die durch den Klimaschutz anfallen.

  Carsten Gerhardt  leitet die Abteilung Nachhaltigkeits-Practice bei A.T. Kearney Deutschland in Düsseldorf
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A.T. Kearney

Carsten Gerhardt leitet die Abteilung Nachhaltigkeits-Practice bei A.T. Kearney Deutschland in Düsseldorf

Wer vergleichbare Gipfel in den vergangenen Jahren beobachtet hat, kann über diese Wendung kaum überrascht sein. Solch ein Krisenpunkt ist fester Bestandteil der Verhandlungen. Wer Maximalforderungen stellt, positioniert sich für den späteren Kompromiss. Dass der kommen wird, ist vergleichsweise sicher. In den kommenden 48 Stunden reisen die meisten Regierungschefs an. Dann wird sich viel bewegen - was nicht heißen muss, dass am Ende ein guter Kompromiss stehen wird.

Zu einem guten Kompromiss würde gehören, dass sich die Industriestaaten stärker bewegen. Das bisherige Angebot der Europäischen Union, die Entwicklungsländer bei Sofortmaßnahmen für den Klimaschutz mit sieben Milliarden Euro zu unterstützen, kann nicht beeindrucken. Der Zuschuss zu den gesetzlichen Krankenkassen, den die Bundesregierung für 2010 plant, liegt gut doppelt so hoch.

Klimagipfel Kopenhagen: Die Knackpunkte

Die internationale Staatengemeinschaft will sich vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen auf ein neues Weltklimaabkommen einigen. Es wird das Kyoto-Protokoll ersetzen, das 2012 ausläuft. Es schreibt vor, dass die Industrieländer die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase zwischen 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Doch die USA, bis vor Kurzem der größte Kohlendioxid (CO2)-Emittent, haben das Abkommen nie ratifiziert. Und China, heute größter Luftverschmutzer, bekam überhaupt keine verbindlichen Reduktionsziele vorgeschrieben, weil es damals noch als reines Entwicklungsland eingestuft wurde.

Das Angebot ist allerdings auch symptomatisch. Die Politik, gerade auch in Deutschland, hat große Verdienste darum, die Klimapolitik auf die Agenda zu setzen und dort zu halten. Das beginnt mit den Grünen, geht weiter mit Kohls Umweltminister, Klaus Töpfer, und endet nicht mit den Klimabekenntnissen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das war wichtig, um öffentlichen Druck zu erzeugen und Deutschland als Vorreiter zu positionieren.

Doch wenn es um konkrete Maßnahmen geht, halten sich die Regierungen dieser Welt - und letztlich auch die deutsche - zurück. Noch immer werden für die Klimarettung vergleichsweise homöopathische Finanzdosen eingeplant.

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