Von Carsten Gerhardt
Der Weltklimagipfel in Kopenhagen ist an einem entscheidenden Punkt angelangt. Entwicklungsländer drohen mit dem Abbruch der Verhandlungen, wenn die Industriestaaten nicht bereit sind, einen größeren Teil der Kosten zu tragen, die durch den Klimaschutz anfallen.
Wer vergleichbare Gipfel in den vergangenen Jahren beobachtet hat, kann über diese Wendung kaum überrascht sein. Solch ein Krisenpunkt ist fester Bestandteil der Verhandlungen. Wer Maximalforderungen stellt, positioniert sich für den späteren Kompromiss. Dass der kommen wird, ist vergleichsweise sicher. In den kommenden 48 Stunden reisen die meisten Regierungschefs an. Dann wird sich viel bewegen - was nicht heißen muss, dass am Ende ein guter Kompromiss stehen wird.
Zu einem guten Kompromiss würde gehören, dass sich die Industriestaaten stärker bewegen. Das bisherige Angebot der Europäischen Union, die Entwicklungsländer bei Sofortmaßnahmen für den Klimaschutz mit sieben Milliarden Euro zu unterstützen, kann nicht beeindrucken. Der Zuschuss zu den gesetzlichen Krankenkassen, den die Bundesregierung für 2010 plant, liegt gut doppelt so hoch.
Das Angebot ist allerdings auch symptomatisch. Die Politik, gerade auch in Deutschland, hat große Verdienste darum, die Klimapolitik auf die Agenda zu setzen und dort zu halten. Das beginnt mit den Grünen, geht weiter mit Kohls Umweltminister, Klaus Töpfer, und endet nicht mit den Klimabekenntnissen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das war wichtig, um öffentlichen Druck zu erzeugen und Deutschland als Vorreiter zu positionieren.
Doch wenn es um konkrete Maßnahmen geht, halten sich die Regierungen dieser Welt - und letztlich auch die deutsche - zurück. Noch immer werden für die Klimarettung vergleichsweise homöopathische Finanzdosen eingeplant.
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