Von Eva Müller
mm: Wie verteidigen die Konzerne ihren Claim?
Prudlo: In den 90er Jahren hatten sie einmal eine Stelle mit der Aufgabe ausgeschrieben, die dezentrale Einspeisung zu verhindern, 2005 versuchten sie dann, das Energieeinspeisungsgesetz abzuschaffen, das den heutigen Solarboom überhaupt erst ausgelöst hat. Mittlerweile haben sie sich auf den Kampf im Detail verlegt.
Sie machen zum Beispiel Front gegen die Windkraft an Land. Da kommen ihnen Proteste gegen die vermeintliche Verspargelung der Landschaft gerade Recht. Sie setzen lieber auf Großprojekte wie Windparks mitten im Meer oder wie das Solarthermieprojekt Desertec, das Strom in der Wüste erzeugen soll.
mm: Was soll daran schlecht sein?
Prudlo: Es ist mitnichten bewiesen, ob diese gigantischen Vorhaben überhaupt funktionieren. Und sie lenken den Fokus vom konsequenten Ausbau dezentraler Energieversorgung hin zu ihren Großprojekten. Zudem verschlingen die meisten Großprojekte erst einmal Unmengen an Geld, auch an Forschungsmitteln, die dann wieder anderen Technologien wie der Fotovoltaik fehlen. Solche riesigen Investitionen können sich natürlich nur die Konzerne leisten. Damit wollen sie die kleinen Konkurrenten ausbremsen und ihre Marktanteile sichern.
mm: Wo fehlt den Kleinen denn das Geld?
Prudlo: Zum Beispiel haben wir kaum Forschungsmittel für die effiziente Verflüssigung von Biogasen wie Methan. Eigentlich ist es eine tolle Sache, Biogas zum Beispiel aus Ernteabfällen herzustellen. Aber die Biomasse fällt auf dem Land an, und das Gas wird vor allem in der Stadt gebraucht. Verflüssigt ließe sich das Gas leicht transportieren, ein erneuerbarer Brennstoffe stände breit zur Verfügung - wenn es nur Geld für die Weiterentwicklung der Technik gäbe.
mm: Scheitert die dezentrale Energiegewinnung also letztendlich am Geld?
Prudlo: Das werden wir zu verhindern wissen. Für Solarkraftwerke gibt es mittlerweile bei jeder Bank eine vernünftige Finanzierung. Aber es hat eben fünf Jahre gedauert, die Geldhäuser von den neuen Geschäftsmodellen zu überzeugen. Da mussten wir viel Aufklärungsarbeit leisten. Aber glücklicherweise haben wir auch andere Finanzierungsmodelle entwickelt.
mm: Zum Beispiel?
Prudlo: Wir haben zum Beispiel das Eigenkapital unserer Firma durch die Ausgabe von Genussscheinen von vier auf acht Millionen Euro erhöht. Die Emission war deutlich überzeichnet und in wenigen Wochen platziert. Schon 2008 gab es bundesweit 20 Milliarden Fondsvolumen für erneuerbare Energien. Genug Geld, um die großen Stromkonzerne weiter politisch vor uns her zu treiben.
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