Von Eva Müller
mm: Wie laufen die Geschäfte bei Green City Energy?
Prudlo: Wir haben ein sehr hohes Auftragsvolumen. Besonders groß ist die Nachfrage nach Fotovoltaikanlagen. 2009 haben wir unseren Solarumsatz auf knapp 30 Millionen Euro vervielfacht. Dieses Jahr erwarten wir nochmals eine Verdoppelung des Auftragsvolumens.
mm: Warum wollen so viele Städte und Gemeinden ihren eigenen Solarstrom erzeugen?
Prudlo: Sie wollen sich von den großen Energiekonzernen unabhängig machen und lieber autark agieren. Deshalb kümmern sich Städte wie Starnberg, Garching oder Kehlheim lieber selbst um ihre Energieversorgung.
mm: Wie reagieren Eon
oder RWE
auf solcherlei Autarkiestreben?
Prudlo: In drei Schritten: ungläubiges Staunen, heftiger Widerstand und schließlich Anpassung. Derzeit sind die meisten Konzerne noch in der aggressiven Phase. Sie versuchen ihre Konzessionsverträge mit den Kommunen, die meist in den nächsten zwei bis drei Jahren auslaufen, so schnell wie möglich zu erneuern, um die Dezentralisierung der Energieversorgung zu verhindern. Damit wollen sie die Zahl der Ausreißer minimieren.
mm: Die Stromkonzerne streben doch auch einen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen an. Warum reagieren sie so heftig auf die Bemühungen der Kommunen?
Prudlo: Alle Energieerzeuger, seien es nun Stadtwerke oder auch Privatleute, die eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage betreiben oder Solarzellen auf Dächer bauen, speisen ihren Ökostrom in ein großes Netzwerk ein. Mittlerweile liefern erneuerbare Quellen schon 15 Prozent der gesamten Energie in diesem großen gemeinsamen Stromsee. Das heißt die fossilen Brennstoffe und die Atomenergie verlieren Marktanteile.
Die Konzerne müssen Kraftwerke abschalten, die längst abgeschrieben sind und ihnen satte Gewinne liefern. So verlieren die Großen jeden Tag Marktanteile gegenüber den kleinen Erzeugern. In Bayern allein gehen jeden Tag 200 Solarkraftwerke ans Netz. Die dezentrale Stromproduktion legt gerade ein irres Tempo vor und das schmeckt den Großen natürlich gar nicht.
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