Von Eva Müller
Hamburg - Wie stark sie wohl noch ihren Energieverbrauch senken könnten, fragten die Forscher des Fraunhofer Instituts für System und Innovationsforschung (ISI) aus Karlsruhe rund 1500 deutsche Betriebe des verarbeitenden Gewerbes. Demnach sehen die Industriefirmen insgesamt ein Potenzial von etwa 15 Prozent. Diese Einsparung ist nach Ansicht der Unternehmen ohne große technische Neuerungen zu erreichen. Gängige und relativ einfach zu installierende Maßnahmen reichten völlig aus. Würden die technischen Möglichkeiten umgesetzt, könnten die Betriebe ihre Energiekosten insgesamt um etwa fünf Milliarden Euro pro Jahr senken.
Die vergleichsweise optimistische Bewertung ihrer Energiesparpotenziale zeige, dass Energieeffizienz in der Produktion immer stärker zu einem strategisch wichtigen Thema für die Industrie werde, analysiert ISI-Wissenschaftler Marcus Schröter die Ergebnisse der Erhebung mit dem Titel "Modernisierung der Produktion 2009". Allerdings gebe es recht große Unterschiede zwischen den Branchen. Manager aus wenig energieintensiven Sparten wie etwa dem Fahrzeugbau oder der Elektroindustrie sähen noch weitaus größere Sparmöglichkeiten als ihre Kollegen aus der Chemie, Papierproduktion oder Glas- und Keramikerzeugung. Unter den Automobilbauern glauben etwa 38 Prozent ihren Energieverbrauch um bis zu 20 Prozent und 21 Prozent sogar um mehr als 20 Prozent verringern zu können.
Die sehr energieintensiven Industrien dagegen haben bereits in den vergangenen Jahren sehr stark in Spartechnologien investiert, da hohe Energiekosten ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigten. Dementsprechend schätzt die Mehrheit der Firmen ihre Sparpotenziale auf maximal noch 10 Prozent.
Gängige Technologien haben noch großes Potenzial
Sechs Technologien sehen die von Fraunhofer ISI befragten Unternehmen als besonders zielführend beim Energiesparen an. Bereits knapp die Hälfte setzt Elektromotoren mit elektronischer Drehzahlregelung ein, die den Stomverbrauch von Pumpen, Kompressoren oder Ventilatoren um etwa ein Viertel verringern. Das Gesamtpotenzial dieser Technik haben aber erst 13 Prozent der Befragten realisiert.
Rund ein Drittel der Industrieunternehmen gewinnt Bewegungs- und Prozessenergie zurück - etwa aus warmer Abluft oder aus der Rückeinspeisung von Bremsenergie. Steuerungen, die bei Maschinen in Zeiten schwacher Auslastung die Stand-by-Funktion abschalten, existieren in etwa einem Viertel der Firmen. Solche intelligenten Mechanismen minimieren die Stand-by-Verluste, die bis zur Hälfte des gesamten Jahresstromverbrauchs einer Anlage ausmachen können.
Nur 16 Prozent der Firmen nutzen laut Fraunhofer-Umfrage heute schon die Kraft-Wärme-Kopplung. Pumpen, die etwa ein Viertel des industriellen Energiebedarfs benötigen, auf höhere Effizienz zu optimieren, diese Neuerung haben sogar erst 10 Prozent der Betriebe realisiert.
Messsysteme für den Energieverbrauch fehlen
Die Daten der Fraunhofer-Studie zeigen, dass bei allen Energiespartechnologien noch großes Potenzial besteht. Ein Grund für die noch sehr geringe Verbreitung dieser Maßnahmen liegt laut ISI-Forscher Schröter darin, dass erst sehr wenige Betriebe Umweltkennzahlen erheben. Nur 17 Prozent der Industrieunternehmen haben Systeme installiert, mit denen sie ihren Energieverbrauch erfassen und damit besser kontrollieren können. Nur die Metallindustrie (42 Prozent) und der Fahrzeugbau (34 Prozent) nutzen sie bereits in nennenswertem Umfang. Dabei zeigt die Umfrage, dass Firmen, die über ihren Energieverbrauch informiert sind, auch sehr viel mehr Energiespartechnologien einsetzen als die Ignoranten.
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