Von Arvid Kaiser
Hamburg - Die Frage ist ungehörig. So wie die nach dem Wert eines Menschenlebens, die dennoch zum Arbeitsalltag etwa von Gesundheitsökonomen gehört. Was ist die Rettung der Erde wert? Wenn man Kosten und Nutzen des Klimaschutzes gegenüberstellt, lohnt sich der ganze Aufwand?
Der Klimawandel, so betonen Klimaforscher, Ökologen und Politiker allenthalben, ist die größte Herausforderung der Menschheit im 21. Jahrhundert. Wenn wir nichts tun, droht der Planet zu überhitzen - Verwüstung, Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen wären die Folge. Wie schwäbisch muss man sein, um da zuerst nach der Rechnung zu fragen?
Ottmar Edenhofer stammt hörbar aus Bayern. Als Chefvolkswirt des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) findet er die Frage in Ordnung, hat aber auch gleich eine Antwort parat: "Der Klimawandel, den wir gerade in Gang setzen, ist ohne historisches Beispiel", sagt Edenhofer im Gespräch mit manager-magazin.de. "Wie wollen Sie dem Abschmelzen des Grönland-Eises, der Gletscher in Tibet und der Veränderung der Monsunsaison einen Marktpreis geben?" Eine marginale Kosten-Nutzen-Rechnung sei ohne solche Informationen gar nicht möglich.
Doch genau so argumentieren die Klimaskeptiker, die im Kampf gegen CO2-Emissionen nur volkswirtschaftliche Verschwendung sehen: mit Kosten-Nutzen-Rechnungen. Die Gruppe "Copenhagen Consensus" um den dänischen Forscher Bjørn Lomborg behauptet, die Strategie, zum Klimaschutz die Emission von Treibhausgasen zu verteuern, lohne sich nicht - zu kostspielig, zu wenig Nutzen. Das Geld sei besser in Hilfen gegen Hunger und Krankheiten angelegt.
Oder, wenn schon Klimaschutz als Priorität gelte, dann sei Geoengineering das effizienteste Mittel - mit technischen Hilfsmitteln das Klima zu beeinflussen. Zum Beispiel könnte man Wolken von Schiffen aus mit Meerwasser besprühen, sodass diese mehr Sonnenlicht reflektieren. Oder Schwefeldioxidteilchen in die Stratosphäre schießen, die Sonnenstrahlen zurück ins All lenken. "Extrem billig und schnell" gehe das, verspricht eine neue Studie der Kopenhagener, wenn auch die Technik noch gar nicht richtig erforscht ist. Eine CO2-Steuer auf der anderen Seite sei teuer für die Unternehmen und relativ nutzlos.
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