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17.11.2009
 

Greentech

"Nicht naiv vorne weg laufen"

Die deutsche Industrie sorgt sich um den Erfolg des Klimagipfels in Kopenhagen. Strenge Umweltrichtlinien hält sie für wünschenswert - wenn sie alle internationalen Konkurrenten gleichermaßen treffen. Dann winke Deutschland ein Milliardengeschäft, so BDI-Chef Hans-Peter Keitel.

Berlin - Drei Wochen vor der Weltklimakonferenz in Kopenhagen hat die deutsche Industrie dringend den schnellen Abschluss eines weltweiten Abkommens angemahnt. Davon erhofft sie sich Milliardengeschäfte mit "grüner" Technik. Sollten dagegen keine weltweit vergleichbaren Anstrengungen im Klimaschutz vereinbart werden, käme Deutschland ins Hintertreffen, wie der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, am Dienstag betonte.

"Gleiche Bedingungen für alle": BDI-Chef Keitel
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DDP

"Gleiche Bedingungen für alle": BDI-Chef Keitel

"Wir wollen nicht naiv vorne weg laufen", sagte Keitel in Berlin. Denn Deutschland hat im Vergleich zu anderen Industrienationen beim Klimaschutz vorgelegt: Die Emissionen sanken von 1990 bis 2007 um 22,4 Prozent - zum Teil wegen des Zusammenbruchs der DDR-Industrie, aber auch aufgrund von Investitionen. Bis 2020 will die Regierung eine Verringerung um insgesamt 40 Prozent realisieren. Damit liegt Deutschland bei den Klimazusagen im Spitzenfeld.

Keitel mahnte jedoch: "Das geht nur, wenn die Bedingungen für alle gleich sind." Würden sich andere Industrieländer nicht zu ähnlichen Zielen verpflichten, hätte die deutsche Industrie wegen der nötigen Milliardeninvestitionen Wettbewerbsnachteile. Gerade die USA dürften sich "nicht weiter heraushalten", sagte Keitel. Denn die amerikanischen Emissionen sind mangels Anstrengungen für Klimaschutz seit 1990 noch drastisch gestiegen. "Es nützt nichts, wenn wir alle in ein Boot bekommen, es müssen auch alle rudern", sagte Keitel.

Gelingt dagegen ein globales Abkommen, wären deutsche Unternehmen in guter Startposition, wie der Vorsitzende der BDI-Klima-Initiative, Siemens-Chef Peter Löscher, sagte. Sie seien bei zahlreichen klimarelevanten Technologien weltweit führend. Davon könnten viele Länder profitieren.

Teil des Verhandlungspakets für ein neues Weltklimaabkommen sind Milliardentransfers öffentlicher Mittel aus Industrie- an Entwicklungsländer, um dort Emissionen zu reduzieren und die katastrophalen Folgen des Klimawandels abzufedern. Dafür wird modernste Technik gebraucht - vom Dämmmaterial über Sonnenkollektoren bis zu Windrädern. Derzeit hat Deutschland laut Löscher 16 Prozent Anteil an den Exporten von Umwelttechnologie.

Die Industrievertreter fassten ihre Forderungen in einem "Berliner Appell" an die Bundesregierung zusammen. "Der weltweite Klimawandel ist eine der zentralen Herausforderungen der Gegenwart", heißt es darin. Nötig sei ein "globales, effektives und faires Abkommen". Das Wichtigste sei, dass alle Emittenten einbezogen würden. Nötig seien "ehrgeizige kurz-, mittel- und langfristige Minderungsziele" und ein weltweiter Kohlenstoffmarkt zur Verteilung der Lasten des Klimaschutzes ohne Wettbewerbsverzerrungen.

In den vergangenen Tagen war klargeworden, dass in Kopenhagen kein fertiges Abkommen zu erzielen ist. US-Präsident Barack Obama und Teilnehmer des APEC-Gipfels hatten erklärt, dies sei frühestens nächstes Jahr möglich. Wirksam werden soll das Vertragswerk in den Jahren nach 2012, wenn die Pflichten aus dem Kyoto Protokoll auslaufen.

manager-magazin.de mit Material von ap

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