Von Arvid Kaiser
Hamburg - Das dramatische Tempo des Niedergangs von Maschinenbau und Autozulieferern in Deutschland hat Sie geschockt? Dann sind Sie vielleicht vorbereitet für einen Blick auf die Solarbranche, immerhin mit 8 von 30 Titeln im Technologiewerteindex TecDax
die große Zukunftshoffnung der Börse.
Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen, weltgrößter Hersteller von Solarzellen und mehrmaliger Aufstiegskandidat für den Dax, hat drei von sechs Produktionslinien stillgelegt. Das Umsatzminus hier: 70 Prozent. Die Geschäftsziele für dieses Jahr wurden binnen Monaten dreimal nach unten korrigiert, von einem Gewinn ist keine Rede mehr. Einen Kredit konnte Q-Cells nur mithilfe einer neuen Wandelanleihe und dem Verkauf der Beteiligung am norwegischen Siliziumhersteller Renewable Energy Corporation ablösen.
Die Hamburger Conergy
kämpft schon seit zwei Jahren ums Überleben, zum Teil wegen Managementfehlern wie einer überdehnten Expansion in andere Geschäftsfelder, einem gewaltigen Schuldenberg und einem Bilanzskandal.
Die Berliner Solon
meldete für das erste Quartal einen Umsatzrückgang um drei Viertel, aus einem Betriebsgewinn wurde ein Verlust. Die Fertigung in Greifswald steht still. Solon-Chef Thomas Krupke erklärte die schlechten Zahlen mit dem harten Winter, der den Einbau neuer Solaranlagen verhinderte, der Kreditklemme und einem abrupten Politikwechsel in Spanien.
Die dortige Regierung hatte, wie viele in der Welt, das Erneuerbare-Energien-Gesetz des Marktführers Deutschland mit einer großzügigen Subvention von Solarstrom kopiert. Verbunden mit der dort höheren Sonneneinstrahlung, löste das jedoch einen beispiellosen Boom aus, der dem Staat zu teuer wurde. 2008 wurden Solarmodule mit 2,7 Gigawatt Nennleistung in Spanien installiert, mehr als noch im Vorjahr weltweit. Nun wird die Förderung auf 500 Megawatt jährlich gedeckelt. Ohne Staatsgeld fiel Spanien aber von einem Tag auf den anderen als Hauptabnehmer für Solarzellen aus.
Doch diese Faktoren wirken nur als Beschleuniger, um fundamentale Probleme der Branche sichtbar zu machen. "Mindestens dieses und kommendes Jahr erwarten wir deutliche Überkapazitäten", sagt Wolfgang Seeliger, Energieanalyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die weltweite Produktionskapazität für Solarmodule liege wohl bei 8,3 Gigawatt, und das sei "sehr, sehr konservativ geschätzt" - andere Branchenbeobachter sprechen von bis zu 18 Gigawatt. Dem gegenüber steht laut LBBW in diesem Jahr eine Nachfrage von maximal sechs Gigawatt.
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