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13.07.2009
 

Wüstenstrom

"Die Kalkulation von Desertec ist absurd"

Von Matthias Kaufmann

Solarvordenker Hermann Scheer lässt kein gutes Haar an dem Milliardenprojekt Desertec, auf das sich deutsche Konzerne verständigt haben: Der ganze Plan sei weltfremd, sagt er im Interview mit manager-magazin.de. Eon, RWE und Co. wollten damit nur ihre Monopole sichern - und den nötigen Strukturwandel stoppen.

mm.de: Herr Scheer, was halten Sie von der Desertec-Initiative, bei der deutsche Großkonzerne wie Eon Chart zeigen, RWE Chart zeigen, Siemens Chart zeigen, die Münchener Rück Chart zeigen oder die Deutsche Bank Chart zeigen Solarstrom in den Wüsten Afrikas produzieren und nach Europa leiten wollen?

  Hermann Scheer  ist Vorsitzender des Weltrats für Erneuerbare Energien und Präsident von Eurosolar. 1999 erhielt für sein Engagement zur Förderung der sonnenenergie den Alternativen Nobelpreis.
DPA

Hermann Scheer ist Vorsitzender des Weltrats für Erneuerbare Energien und Präsident von Eurosolar. 1999 erhielt für sein Engagement zur Förderung der sonnenenergie den Alternativen Nobelpreis.

Scheer: Die Unternehmen laufen einer Fata Morgana hinterher. Solch einen Plan können sich nur Theoretiker einfallen lassen, die von den praktischen Hindernissen eines solchen Projektes wenig Ahnung haben.

mm.de: Sie wenden sich generell gegen derartige Großprojekte?

Scheer: Nein, es läuft in Deutschland ja bereits ein sehr erfolgreiches Großprojekt, nämlich die Umstellung der Energiewirtschaft Deutschlands auf erneuerbare Energien. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat dafür die Grundlage geschaffen und der Fortschritt kann sich - trotz erheblicher Planungswiderstände gerade der etablierten Energiekonzerne - sehen lassen. In neun Jahren haben wir den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung von 4 auf 19 Prozent erhöht!

mm.de: Das spricht nicht gegen Desertec.

Scheer: Doch, weil der Plan so umfangreich und kostenintensiv ist, dass er nur aufgehen kann, wenn man den Ausbau der Erneuerbaren Energien bei uns willkürlich stoppt.

mm.de: Die Desertec-Partner sprechen von zehn Milliarden Euro jährlich. Das erscheint vergleichsweise moderat.

Scheer: Die Investitionskosten bei Desertec sind absurd, selbst wenn wir unterstellen, dass die Kalkulation stimmt, die sie zitieren. Der Aufbau der Anlagen und des Transportnetzes ist ein so gigantisches Unterfangen mit so vielen Beteiligten, dass die Kosten kaum planbar sind. Jeder Transitstaat der Transportleitungen wird taktieren, um für sich das Beste herauszuholen, und es wird Widerstände vor Ort geben. Das kostet Zeit und letztlich Geld, weil sich der Return on investment (ROI) immer wieder verzögern wird. Das können Sie bei praktisch jedem Großprojekt beobachten, sei es ein Kernkraftwerk in Finnland, sei es das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 oder der Eurofighter.

mm.de: Der Lohn der Mühe soll besonders günstig zu produzierender Strom sein - was die Sache später wirtschaftlich machen könnte.

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