Von Arvid Kaiser
Auch die Stromwirtschaft hat ein großes Interesse an diesem Thema. Denn sie wird schon in den nächsten Jahren ein großes Problem bekommen, wenn die Menge der erneuerbaren Energien im Stromnetz steigt, nämlich wie sie die Schwankungen im Netz ausgleicht. Das Auto könnte eine gute Möglichkeit sein, Strom zu speichern, wenn beispielsweise mehr Windstrom dem Netz zugeführt wird, als verbraucht werden kann.
Uwe Lahl: "Ölwechsel. Biokraftstoffe und nachhaltige Mobilität"; Rhombos Verlag, 268 Seiten, 29,80 Euro. Buch bestellen
Lahl: Das stimmt langfristig im Personenverkehr. Aber Waren müssen ebenfalls transportiert werden, auch mit dem Lkw, dem Schiff und dem Flugzeug. Es wird daher weiterhin Verbrennungsmotoren geben. Und dafür brauchen wir die Biokraftstoffe. Insgesamt brauchen wir die Biomasse für die Grundversorgung der Volkswirtschaft mit Energie, und auch als Grundstoff für die chemische Industrie.
Strategisch sind das Schlüsseltechnologien. Wem gelingt es als Erstem, diese Technologie wirtschaftlich darzustellen? In den USA sind in den vergangenen Jahren zwei Milliarden Dollar in Forschung für die zweite Generation investiert worden, beispielsweise in Bioraffinerien, um aus Zellstoff Ethanol zu gewinnen. Wenn das gelingt, haben die Amerikaner die Nase vorn. Wir sind in Deutschland im Bereich des Biodiesels der zweiten Generation vorne, beispielsweise aus Holz.
mm.de: Da haben wir wieder konkurrierende Ansätze. Bräuchte es nicht einen einheitlichen Industriestandard?
Lahl: All diese komplexen Entwicklungen stehen unter dem Vorbehalt, ob es gelingt, dass die Technik funktioniert und dass sie wirtschaftlich ist. Das alles vorauszusehen, ist unmöglich. Man kann nicht entscheiden, ob es Ethanol oder Dieselkonvertierung wird. Es gibt auch bei Elektroautos viele offene Fragen. Die Batterietechnik steht noch nicht da, wo wir sie gerne hätten. Pläne werden wir zwar auch machen müssen ...
mm.de: ... aber es entscheidet dann doch die Macht des Faktischen.
Lahl: Das Leben wird entscheiden. Der Käufer wird entscheiden, die Technik wird entscheiden. Aber eines ist hundertprozentig sicher: Entschieden wird auf dem Spielfeld, und wer nur auf der Tribüne zuschaut, wird abgehängt.
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