Von Mirjam Hecking
Hamburg - Karlheinz Bund ist das, was man unter einem alten Hasen versteht. Über ein Jahrzehnt leitete der Manager die Geschicke der Ruhrkohle AG. Bei dem Großkonzern nahm Bund zwar schon vor über 30 Jahren seinen Hut. Doch wer den 83-Jährigen, bewaffnet mit iPhone durch die Welt jetten sieht, weiß sofort: Bund ist noch im Geschäft. Doch statt Kohle und Stahl macht der frühere Kohlemanager mittlerweile Geschäfte mit sauberer Energie. Genauer gesagt mit Geothermie.
Die steckt in Deutschland zwar noch in den Kinderschuhen. Doch angesichts der nahenden Klimakatastrophe prophezeien auch Experten hierzulande der Erdwärmenutzung eine große Zukunft. Schließlich ist die Energie, die schon die alten Römer für Fußbodenheizung und warme Bäder nutzten, dauernd verfügbar, unabhängig von Witterung und politischen Querelen, unerschöpflich und auch noch völlig frei von klimaschädlichen Abgasen.
Theoretisch, so Forscher, sind in Deutschland Energiereserven verfügbar, mit denen sich pro Jahr das 600-Fache des jährlichen deutschen Strombedarfs erzeugen ließe. Theoretisch.
Denn ganz so einfach ist das mit der Energie aus der Erde dann doch nicht: Anders als beispielsweise in Island, wo aufgrund der tektonischen Struktur schon wenige Meter unter dem Erdboden enorme Hitze auftritt, und sogar Gehwege mit Erdwärme beheizt werden, muss man in Deutschland deutlich tiefer schürfen.
Zwischen drei und 4,5 Kilometer muss man hierzulande in der Regel in die Tiefe gehen, um ausreichend heiße Gesteins- oder Wasservorkommen zu erreichen, um im industriellen Maßstab Energie erzeugen zu können.
"Wofür in Island ein Loch im Boden reicht, muss man in Deutschland mehrere Tausend Meter tief graben", sagt Reinhard Grünwald vom Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag. Und das macht das ganze teuer. Zu teuer, als dass es sich derzeit in industrieller Form ohne staatliche Förderung rechnen würde.
Eine einzige Testbohrung kostet leicht einen hohen einstelligen Millionenbetrag. "Und darin liegt auch das größte Risiko", sagt Benjamin Richter vom Nürnberger Berater Rödl & Partner, der eine ganze Reihe Unternehmen bei ihren Geothermieprojekten berät. Ist der Untergrund zur Wärmegewinnung nämlich nicht oder nur schlecht geeignet, kann es sein, dass man Millionen sprichwörtlich in den Sand setzt.
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