Von Arvid Kaiser
Das ukrainische Gesetz verbietet - wie das russische - ausländisches Eigentum an Pipelines und Gaslagern. "Hier muss sich auch die ukrainische Politik bewegen, schon um das marode Leitungsnetz zu modernisieren", verlangt Lindner. Das sei die marktwirtschaftliche Lösung - so marktwirtschaftlich es eben in einem Sektor zugehen kann, der auf allen Seiten von Monopolen geprägt ist.
Zudem müsste der Zwischenhändler Rosukrenergo entmachtet werden, an dem zur Hälfte Gazprom, zur anderen Hälfte die ukrainischen Geschäftsleute Dimitro Firtasch und Iwan Fursin über eine Österreich-Connection beteiligt sind. "Rosukrenergo ist intransparent und im Grunde überflüssig", formuliert Lindner diplomatisch. Die Firma erbringt keinen Dienst, außer Gas aus Zentralasien einzukaufen und dann an die Ukraine weiter zu verkaufen - eine Lizenz zum Abkassieren; die Gewinne werden fast komplett an die Anteilseigner ausgeschüttet.
Die Vorwürfe gegen Rosukrenergo reichen von Korruption bis zu Verbindungen zur Mafia. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, auch ihr Moskauer Kollege Putin und sogar Geschäftspartner Gazprom wollen die Firma ausschalten. Nur die Partei des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko stellt sich noch öffentlich hinter das Konstrukt. "Die Ära der Zwischenhändler ist vorbei", hofft der Oxforder Gasexperte Jonathan Stern. "Die Ukraine muss wieder Herr der eigenen Einkaufspolitik werden", fordert auch Rainer Lindner.
Für eine kooperative Haltung brauche das Land eine goldene Brücke. "Die Ukraine ist finanziell stark angeschlagen und kann Marktpreise für Gas nicht finanzieren", sagt der Verbandsfunktionär. Auf der anderen Seite habe Russland "angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise nichts mehr zu herabgesetzten Preisen zu verteilen". Bisher bekommen die ehemaligen Sowjetrepubliken nämlich aus alter Tradition Freundschaftspreise, wenngleich der Rabatt von Jahr zu Jahr kleiner ausfällt. "Beide Seiten müssen für eine Lösung Zugeständnisse machen, die an die Schmerzgrenze gehen", sagt Lindner.
Denn "genauso wie Europa von den Gasimporten aus Russland abhängt, ist auch Russland auf die Geschäftsbeziehungen zu Europa angewiesen", erklärt Florian Haslauer, der Leiter der Studie von A. T. Kearney. Das Land verbraucht zwar immer mehr Gas selbst und plant neue Pipelines nach Asien, auf absehbare Zeit sind aber die Exportwege einseitig auf Westeuropa ausgerichtet. Im Great Game ums Erdgas sind alle von allen abhängig. Sie müssen sich nur noch auf die Spielregeln einigen.
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