Dienstag, 09. Februar 2010, 17:57 Uhr
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15.01.2009

Erdgas

Nichts geht ohne Gazprom

Von Arvid Kaiser

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine offenbart, wie verletzlich Europas Energieversorgung ist. Die EU sucht nach einer Strategie für die Zukunft - mit ernüchternden Ergebnissen. Am russischen Gasriesen Gazprom führt kein Weg vorbei.

Hamburg - Das Geschäft mit Erdgas ist einfach. Eigentlich. Die unterirdischen Lager mit einem Gemisch aus Methan, Kohlenwasserstoffen und anderen Gasen müssen nur angebohrt werden, schon strömt die fossile Energie nach oben. Das Gas wird noch getrocknet und entschwefelt, meist auch komprimiert oder verflüssigt. Ansonsten aber kann es so, wie es aus der Erde kommt, verbrannt werden und Wohnungen heizen, Herde befeuern oder Turbinen antreiben.

12 Bilder Wenn das Gas ausgeht: Russlands größte Kunden

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Erdgas ist, gemessen an den heutigen technischen Möglichkeiten, ein idealer Energieträger. Sauberer als Erdöl oder Kohle, effizienter als Windräder und Solarpaneele, sicherer als Kernkraft. Eigentlich. Doch im Geschäft mit Erdgas geben nicht Kaufleute und Techniker den Ton an, sondern Geopolitiker, die darin ein strategisches Great Game um Macht und Kontrolle sehen. Der Stoff wird nicht wegen seines Brennwerts, sondern wegen seines Erpressungspotenzials geschätzt.

Das zeigt der aktuelle Streit zwischen Russland und der Ukraine erneut. Selbst wenn es um geschäftliche Fragen wie Preise, Mengen oder Schulden geht, sprechen der russische Staatsmonopolist Gazprom Chart zeigen und sein ukrainisches Pendant Naftogaz die Sprache der Macht. Jede Seite versucht, die andere zu düpieren, ob mit Drohungen, Vorwürfen oder Nebenklauseln in Verträgen.

"Die Krise hat gezeigt, dass die Beziehung zwischen Russland und der Ukraine keine Zukunft hat", sagt Jonathan Stern, der die Gasabteilung am Oxforder Institut für Energiestudien leitet. "Ich glaube nicht mehr daran, dass sie eine Lösung finden können, die Europas Gasversorgung auf Dauer sichert." Selbst wenn eine Einigung für den nächsten Jahresvertrag zustandekomme, müssten die EU-Beobachter "mindestens jeden Winter" wiederkommen, um den Gastransport zu überwachen.

Die Europäische Union hat das Problem erkannt. Regelmäßig gibt die EU-Kommission Berichte zu ihrer Energiestrategie heraus, zuletzt im November. Doch die offenbaren Hilflosigkeit: Obwohl die europäische Wirtschaft immer sparsamer mit Energie umgeht, steigt ihre Abhängigkeit von Importen, weil die heimischen Quellen allmählich versiegen. Wenn die EU ihre Klimaschutzziele ernst nimmt, muss sie zudem in Zukunft noch mehr Gas statt Kohle verfeuern.

Erdgas stillt ein Viertel von Europas Energiehunger, wiederum ein Viertel davon stammt aus Russland. Dieses Gas strömt durch Pipelines entweder über ukrainisches oder weißrussisches Gebiet. Jedes dieser Länder will am Transit verdienen und hat die Macht, den Hahn zuzudrehen, andererseits aber kein Geld, um die Leitungen in Schuss zu halten. Die EU setzt darauf, zusätzliche Quellen und Transportwege zu finden. Doch jeder der existierenden Vorschläge hat mindestens einen Haken.

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