Dienstag, 27. September 2016

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Deutsche Bank Vorstand schreibt Brief - Löscheinsatz bei Investoren

Kämpft: John Cryan, Co-CEO der Deutschen Bank.

Die Flucht der Investoren aus der Aktie der Deutschen Bank hat deren Vorstand zu einem dramatischen Appell veranlasst: Die Anleger sollten bitte Vertrauen haben, dass die Bank die Zinsen auf ausstehende Anleihen bedienen könne, teilte die Bank sinngemäß am Montagabend mit. Finanzvorstand Marcus Schenck schrieb dazu sogar einen Brief an die Mitarbeiter, den die Bank auf ihrer Website veröffentlichte.

Konkret geht es um die für die Regulatoren wichtigen so genannten Additional-Tier-1-(AT1-)Wertpapiere der Frankfurter. Zum 30. April werden dafür Zinszahlungen von rund 350 Millionen Euro fällig - für die Deutsche Bank normalerweise nicht die Rede wert. Der harte Sanierungskurs der Bank und die zuletzt meist pessimistischen Perspektiven des Vorstandschefs John Cryan hatten einige Investoren aber zuletzt offensichtlich an der Zahlungsfähigkeit der Bank zweifeln lassen: Die Versicherungsprämien für den Ausfall der Anleihen stiegen, zudem verstärkte der jüngste Kursverfall der Deutsche-Bank-Aktien die Alarmstimmung.

Allein am Montag sackte das Papier um 9,5 Prozent ab - befand sich damit allerdings in Gesellschaft weiterer äußerst schwacher Bankenwerte. Die Commerzbank-Aktie etwa brach ebenfalls um 9,5 Prozent ein.

Am Dienstag erholte sich die Deutsche-Bank-Aktie anfangs und legte bis zur Mittagszeit um 1,70 Prozent zu. Am frühen Nachmittag, nachdem Vorstandschef John Cryan ebenfalls einen Brief veröffentlicht hatte, drehte das Papier wieder deutlich ins Minus. Analyst Jernej Omahen von der US-Investmentbank Goldman Sachs schrieb in einer Kurzstudie, dass sich das Institut in der Lage sehe, die Zinsen für nachrangige Schuldverschreibungen bezahlen zu können, sollte entsprechende Sorgen der Anleger lindern. Allerdings dürfte die Entwicklung der Erträge und Gewinne im sich abzeichnenden schwierigen Jahr 2016 weiter Sorgen machen

Die Bank teilte mit, für die AT1-Wertpapiere im laufenden Jahr eine "geschätzte Zahlungskapazität" von rund 1 Milliarde Euro zu besitzen: "Dies reicht aus, um die AT1-Zinskupons von rund 0,35 Mrd. Euro am 30. April 2016 zu bedienen." Für das kommende Jahr stellte Deutschlands größte Bank noch einen deutlich größeren Puffer in Aussicht.

Der Appell der Bank ist auch deswegen ein Beleg für das angekratzte Vertrauen in die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, weil Finanzvorstand Marcus Schenck erst vor knapp zwei Wochen inhaltlich deckungsgleich für die Zahlungsfähigkeit der Bank argumentiert hatte. Auf der Bilanzpressekonferenz am 28. Januar hatte er auf eine Frage eines Journalisten, ob die Bank die Zinsen der AT1-Wertpapiere bedienen könne, klar und eindeutig bejaht. Dass die Bank nur wenige Tage später erneut für ihre Solidität werben muss, begründete Schenck mit den "volatilen Märkten".

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