Montag, 25. Juli 2016

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Zielke löst Blessing an Commerzbank-Spitze ab Warum die Commerzbank jetzt noch deutscher wird

Neuer und alter Chef: Martin Zielke (l) und Martin Blessing auf einem Foto aus dem Jahr 2012.

Die Commerzbank macht sich mit der Wahl ihres neuen Vorstandschefs noch abhängiger von ihrem Heimatmarkt Deutschland. Martin Zielke, den der Aufsichtsrat am Sonntag zum Nachfolger Martin Blessings ab 1. Mai bestimmte, hat ein ausgesprochen deutsches Karriereprofil: Mit Ausnahme seines BWL-Studiums im niedersächsischen Göttingen hat der 53-Jährige sein gesamtes Leben in Hessen

verbracht - und seine berufliche Laufbahn ausschließlich in Frankfurt: erst bei der Dresdner Bank, dann kurz bei der Deutschen Bank und seit 2002 bei der Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Pflege oder gar Ausbau seiner Englisch-Kenntnisse standen bei Zielke nie im Fokus der Karriereplanung, sein Büro ziert ein Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft samt Unterschriften.

Auch fachlich hat Zielke seinen Schwerpunkt im deutschesten aller Commerzbank-Geschäfte: der Privatkundensparte mit ihren rund 17 Millionen Kunden. Er führt das Geschäftsfeld im Vorstand seit gut fünf Jahren, zudem ist er Aufsichtsratschef der Online-Tochter comdirect, deren noch stärkere Verschmelzung mit dem traditionellen Geschäft eine seiner wichtigsten Aufgaben bleiben wird.

Lediglich 15 Monate lang kümmerte sich Zielke in seiner Karriere intensiv um das zweite wichtige Geschäftsfeld Firmenkunden, aus dem mit Markus Beumer (51) auch Zielkes mächtigster Rivale um den Chefjob kam. Und diese Stippvisite Zielkes außerhalb der Privatkunden ist auch schon zehn Jahre her.

Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller setzt gegen die fehlende fachliche Breite Zielkes augenscheinlich hauptsächlich auf das Prinzip Daumendrücken: "Es war dem Aufsichtsrat auch sehr wichtig, dass der neue Vorstandsvorsitzende breit aufgestellt ist, um den positiven Weg der Bank als international agierende Geschäftsbank auf der einen und als führende Privatkundenbank auf der anderen Seite erfolgreich weiterzuentwickeln" wird Müller in einem am Sonntag verbreiteten Interview mit der Mitarbeiterzeitung zitiert.

Interessant wird nun, wie sich Zielke-Rivale Beumer nach seiner Niederlage im Kampf um den CEO-Job verhalten wird. Er galt in der Branche als Favorit für die Nachfolge Blessings. In dem bemerkenswert forsch geführten Interview der Mitarbeiterzeitung antwortet Müller auf die entsprechende Frage - ohne Beumer explizit zu nennen: "Richtig ist, dass neben verschiedenen externen auch interne Kandidaten bis zuletzt im Prozess betrachtet wurden. Die Gespräche, die ich nach den Besetzungsentscheidungen geführt habe, bestätigen mich darin, dass wir ein hervorragendes Vorstandsteam besitzen und auch künftig besitzen werden." Beumer ist nach Informationen des manager magazins ein Kandidat für die Spitze der Landesbank NordLB, die Ende des Jahres vakant wird.

Die Wahl Zielkes konterkariert den Eindruck, den die Bank in den vergangenen Wochen rund um die Suche nach dem Blessing-Nachfolger erweckt hat. Lange hieß es, Müller hätte gern eine Frau als nächste CEO - was nur mit einer externen Lösung möglich gewesen wäre. Zudem wurde immer wieder darauf verwiesen

, dass man sich auch intensiv mit ausländischen Kandidaten für die Führung der insgesamt rund 51 000 Commerzbank-Beschäftigten beschäftige. Nach Informationen von manager-magazin.de war immerhin der 1965 im belgischen Gent Johan Thijs bis zuletzt im Rennen, der derzeit die belgische KBC-Gruppe leitet. Die hat mit 36 000 Beschäftigen zwar deutlich weniger Mitarbeiter als die Commerzbank. Dafür aber ist die KBC unter Thijs mit einem Börsenwert von 21 Milliarden Euro fast doppelt so wertvoll ist wie die Frankfurter. Für einen Job an der Spitze der Commerzbank hat es dennoch nicht gereicht.

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