Montag, 27. Juni 2016

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Faule Hypothekenpapiere Wie JP Morgan und die US-Regierung die Öffentlichkeit täuschten

Verhinderte persönlich eine Pressekonferenz im Justizministerium: JP-Morgan-Chef Jamie Dimon

JP Morgan Chase sollte für Vergehen in der Finanzkrise 13 Milliarden Dollar zahlen. Die faulen Details dieser Einigung zwischen Bankchef Jamie Dimon und US-Justizminister enthüllt jetzt eine Whistle-Blowerin im Magazin "Rolling Stone".

Hamburg - Die Meldung ging im Oktober 2013 um die Welt: Die US-Großbank JP Morgan Chase zahle eine Strafe von 13 Milliarden Dollar für Vergehen im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise aus der später die weltweite Wirtschaftkrise wurde. Darauf hätten sich JP-Morgan-Chef Jamie Dimon und US-Generalstaatsanwalt - sprich: Justizminister - Eric Holder geeinigt, hieß es. Die Summe markiere die höchste Strafe in der US-Geschichte, eine weitere Strafverfolgung von JP Morgan sei indes nicht ausgeschlossen.

Ein Sieg der Gerechtigkeit also, wie es schien. Verantwortliche an der Wall Street werden zur Rechenschaft gezogen für das Unheil, das sie mit rücksichtslosen Investmentgeschäften über die Welt gebracht hatten.

Doch dieser Schein trügt womöglich. Ein genauer Blick zeigt: Die Einigung zwischen der Bank und der US-Regierung auf die Rekordstrafe ist wohl weniger ein Triumph der Ermittler, sondern vielmehr ein fauler Kompromiss.

Mehr noch: Wenn stimmt, was das US-Magazin "Rolling Stone" mit Verweis auf eine Ex-Mitarbeiterin von JP Morgan als Quelle berichtet, dann ist sogar JP Morgan der größte Gewinner bei diesem Arrangement. Dem US-Justizministerium dagegen war offenbar mehr an einem öffentlichkeitswirksamen Ende der Ermittlungen als an echter Aufklärung gelegen. Was schon daran zu erkennen ist, dass die Ermittler mit ihrer wichtigsten Zeugin - eben jener Quelle des "Rolling Stone" - bis zur Einigung mit JP dem Bericht zufolge nie wirklich gesprochen haben.

Ein ominöses 900-Millionen-Dollar-Kreditpaket

Doch der Reihe nach: Die Geschichte, die Alayne Fleischmann dem "Rolling Stone" erzählt hat, handelt von Bankern, Finanzaufsehern und Staatsanwälten. Von Betrug und Vertuschung. Und von jeder Menge Lügen.

Dem Bericht zufolge stieg Fleischmann als Juristin 2006 bei JP Morgan ein. Von Beginn an war sie ins boomende Geschäft mit Hypothekenpapieren involviert. Wie so ziemlich alle Banken zu jener Zeit kaufte JP im großen Stil Kredite ein, verschnürte sie zu Paketen und platzierte diese als Wertpapiere bei Investoren.

Diese Geschäfte waren später die Keimzelle der Finanzkrise, weil sich die Hypothekenpapiere als alles andere als werthaltig erwiesen (Stichwort: Subprime!) und viele der Investments in sich zusammenfielen.

Fleischmann erkannte Hinweise darauf bereits 2006. Im Dezember bekam sie ein Kreditpaket im Volumen von 900 Millionen Dollar auf den Tisch, von einem Immobilienfinanzierer namens Greenpoint. Schnell erkannte die Finanzjuristin, dass diese Kredite anders waren als bisherige. Sie waren schon vor längerer Zeit ausgegeben worden, was nach Ansicht Fleischmanns ein Hinweis darauf war, dass schon andere Banken ihren Ankauf abgelehnt oder gar Investoren damit schlechte Erfahrungen gemacht hatten.

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