Montag, 24. September 2018

Jubelmeldung ohne Substanz Wie die feine Privatbank Hauck & Aufhäuser ihre Bilanz vernebelt

Das Gebäude der Privatbank Hauck und Aufhäuser in München.

Es ist der Job seines Lebens. Im Auftrag des chinesischen Investors Fosun, ausgestattet mit frischem Kapital und frischen Kompetenzen, soll Vorstandschef Michael Bentlage, 53, der altersmüden Privatbank Hauck & Aufhäuser neues Leben einhauchen. Es geht nicht nur darum, das schwachbrüstige Traditionsinstitut - das zuletzt sogar rote Zahlen schrieb - in die Gewichtsklasse der Metzlers und Berenbergs zurückzuführen. Es geht um eine sehr viel größere Frage:

Sind deutsche Geldhäuser bei chinesischen Geldgebern gut aufgehoben?Die Antwort hierauf gab Bentlage vor wenigen Tagen selber. Da ließ der Hauck-Aufhäuser-Chef nämlich auf Grundlage der 2017er-Zahlen eine Pressemitteilung verschicken, in der vom "besten Ergebnis seit der Finanzkrise" und einer "deutlichen Steigerung der operativen Profitabilität" die Rede war. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" geriet daraufhin in geradezu euphorische Wallung: Hauck & Aufhäuser entwickele sich "prächtig", wachse "stürmisch" und werfe "ordentlich Ertrag ab", war zu lesen.

Bereits im Newsletter des nächsten Tages meldete der Branchendienst "Finanz-Szene.de", ein Inhalte-Partner von manager-magazin.de, allerdings ein paar zarte Zweifel an dieser Darstellung an. Denn: Im "Jahresbericht" auf der H&A-Homepage fand sich ein nicht näher erläuterter Posten namens "sonstiger Überschuss", der mit 29,5 Mio. Euro fast genauso groß war wie der Vorsteuergewinn. Dies deuteten wir als ein erstes Indiz, dass das Ergebnis (anders als es die Losung von der "deutlichen Steigerung der operativen Profitabilität" suggeriert) eher nicht rein operativ erwirtschaftet worden war.

Offen blieb: Was hatte es mit dem "sonstigen Überschuss" genau auf sich? Wo kam er her? Handelte es sich um einen Einmaleffekt? Und wie steht "Hauck & Aufhäuser" in Wirklichkeit da? Diesen Fragen ist "Finanz-Szene.de" in den vergangenen Tagen noch einmal in Ruhe nachgegangen. Eine Analyse in fünf Kapiteln:

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