Mittwoch, 20. September 2017

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Drohende Milliardenstrafe für Deutsche Bank Wie der Geldwäsche-Skandal der Deutschen Bank in Moskau lief

Ziemlich verwinkelt, seine Aufgabe: Deutsche-Bank-Chef John Cryan.

In seinemletzten Interview als Co-Chef der Deutschen Bank bot Jürgen Fitschen eine vergleichsweise simple Erklärung für den desaströsen Aktienkurs der Deutschen Bank: Neben der Unsicherheit an den Finanzmärkten liege das wohl, so der 67-Jährige Mitte Mai, am "Geldwäsche-Skandal in Russland", der sich zwischen 2011 und 2015 in den Moskauer Büros derDeutschen Bank entfaltete.

Insgesamt 5,4 Mrd. Euro haben die Frankfurter für ihre zahlreichen, noch schwelenden Justizskandale zurückgelegt. Einerseits eine Menge Geld. Andererseits ermitteln im russischen Geldwäsche-Skandal mehrere US-Behörden, unter anderem das Justizministerium. Und die hatten vor zwei Jahren der französischen Großbank BNP Paribas schon einmal 9 Milliarden Dollar für Sanktions-Verstöße abgepresst.

Fällt die Strafe der US-Behörden also hoch aus, wird Fitschens Nachfolger John Cryan möglicherweise irgendwoher rasch frisches Kapital herbeischaffen müssen. Bei einem Börsenwert, der zwischenzeitlich auf nur noch rund 25 Prozent des Eigenkapitals absackte, nahezu eine mission impossible.

Deswegen verfolgen sie in den Frankfurter Bankentürmen und auch im Bundesfinanzministerium in Berlin den Gang der Geldwäscheermittlungen in den USA mit stabilem Angstschweiß. Am liebsten wäre ihnen, die Deutsche Bank wäre einfach Opfer hochkompetenter Krimineller geworden, gegen die kein Sicherheitssystem gewachsen gewesen wäre. Dann müsste die Strafe eigentlich milde ausfallen.

Die Hoffnung kann die Bank wohl begraben. Zwar gibt es bislang keine Zwischenergebnisse der US-Behörden. Der "New Yorker" aber, eines der

einflussreichsten Magazine unter den US-Intellektuellen und -Meinungsführern, veröffentlicht jetzt die Ergebnisse einer umfangreichen Recherche zu dem Fall ("Deutsche Bank's $10-Billion Scandal"), in dessen Verlauf der Autor offensichtlich zumindest mit einigen Beteiligten gesprochen hat, die sehr wahrscheinlich auch von den US-Behörden als Zeugen vernommen worden sind. Das Ergebnis der Recherche in Kurzform: Die Bank ist Opfer eines Top-Managers ihrer Moskauer Filiale, trägt aber auch gehörig Mitschuld, weil ihre Sicherheitssysteme nicht Alarm schlugen.

Grundsätzlich verlief die Geldwäsche relativ simpel, wie der "New Yorker" nachzeichnet: Zwischen Herbst 2011 und dem Frühjahr 2015 rief der Wertpapierhändler Igor Volkow praktisch täglich in der Deutschen Bank Moskau an und bat um zwei parallele Transaktionen für zwei Firmen, die er repräsentierte, jeweils im Wert von etwa 10 Millionen Dollar: Mit der ersten Transaktion sollte die Deutsche Bank in russischen Rubeln für die eine Firma Aktien eines russischen Konzerns kaufen, etwa Lukoil. Genau diese Aktien in genau derselben Größenordnung sollte die Deutsche Bank praktisch zeitgleich in London für die andere Firma - meist mit Sitz in einem Steuerparadies - verkaufen - dafür dann aber Euro, britisches Pfund oder Dollar bekommen. Der Clou: Die beiden Firmen, für die Volkow den Mittelsmann gab, gehörten denselben Personen. Am Ende hatten Volkows Hintermänner jeweils Geld aus Russland in Sicherheit gebracht.

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