Montag, 22. Oktober 2018

Streit um Milliarden Deutsche Bank gegen Wertheim-Erben - die nächste Runde

Deutsche Bank: Die Wertheim-Erben wollen Milliarden. Das Geldhaus hat einen Antrag eingereicht, die Klage abzuweisen

Nächste Runde in der spektakulären Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Bank und den Erbberechtigten der jüdischen Wertheim-Familie aus Frankfurt: Das Geldhaus hat am Dienstagmorgen beim District Court in Fort Lauderdale, Florida, Antrag auf Klageabweisung ("motion to dismiss") eingereicht. Der Antrag liegt manager magazin vor.

Die Deutsche Bank nehme die Sache sehr ernst, sagte ein Sprecher, und fügte hinzu: "Die Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage, und die Deutsche Bank weist diese zurück."

Im Januar hatten jüdische Wohlfahrtsorganisationen beim Gericht in Fort Lauderdale die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen sowie die Credit Suisse verklagt. Sie erheben Anspruch auf das Erbe der Frankfurter Wertheims. Die Familie hatte ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Verkauf von Nähmaschinen ein Vermögen angehäuft, das seit 1990 als verschollen gilt und von den Klägern auf mehr als drei Milliarden Dollar taxiert wird.

Kläger: Geld beim Übertrag von CS zur Deutschen Bank angeblich verschwunden

Der Fall ist in mehrfacher Hinsicht komplex. So ist die tatsächliche Höhe des Erbe unklar - wie auch, wer genau erbberechtigt ist. Bekannt ist, dass 1990 der seinerzeit letzte bekannte Wertheim-Erbe, Ambrosius Wolfgang Bäuml, kurz vor seinem Tod das befreundete Ehepaar Sutor als Erben einsetzte.

Allerdings sahen die Sutors fast nichts von dem Geld: Das Vemögen, so die Kläger, sei nach Bäumls Tod beim Übertrag von der Wertheim-Hausbank Credit Suisse zur Deutschen Bank verschwunden. Mitarbeiter der Deutschen Bank in Spanien, wohin die Wertheims inzwischen übergesiedelt waren, hätten das Erbe veruntreut.

2012 traten die Sutors den Erbanspruch an den deutschen Geschäftsmann Tim Fuhr ab, der in ganz Europa Rabbinate auf den Fall aufmerksam machte und Kontakt zur Deutschen Bank aufnahm. Um den Druck auf die Banken zu erhöhen, trat Fuhr schließlich einen Teil des Erbanspruchs an jüdische Wohlfahrtsorganisationen ab, die nun vor Gericht die Erstattung der Milliarden sowie die Herausgabe aller Kontounterlagen erzwingen und das Geld jüdischen Einrichtungen in aller Welt zugute kommen lassen wollen. Dagegen wehrt sich die Deutsche Bank mit dem Antrag auf Klageabweisung.

Organisationen können auch in einem anderen US-Bundesstaat klagen

Nun muss der Richter in Florida entscheiden, ob er die Ansprüche für berechtigt hält oder nicht. Dafür hat er mehrere Wochen Zeit. Lehnt er die Klage ab, könnten die jüdischen Wohlfahrtsorganisationen mit Fuhr im Rücken versuchen, in einem anderen US-Bundesstaat zu klagen.

Lässt der Richter die Klage zu, ist ein rascher Urteilsspruch wahrscheinlich. Das könnte teuer werden angesichts der ausgeprägten Neigung amerikanischer Gerichte, die Suche nach der Wahrheit mit einem kostspieligen Vergleich abzukürzen.

Doch der Fall wird noch verworrenener, denn inzwischen erheben auch Bäumls drei Kinder Anspruch auf das Erbe; sie reklamieren 60 Prozent des Erbe für sich und streben separate Verhandlungen mit der Deutschen Bank an. Damit gibt es nunmehr drei Parteien, die mögliche Ansprüche für sich reklamieren: Bäumls Kinder, Fuhr sowie die jüdischen Organisationen. Ein ziemliches Durcheinander - kein Wunder, dass die Deutsche Bank, so weit bekannt, bis jetzt keine Rückstellungen für etwaige Zahlungen in der Causa Wertheim gebildet hat.

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