Mittwoch, 25. Mai 2016

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Kursrutsch Der Dax rutscht, und die Deutschen kaufen Aktien

Auf und Ab: Deutsche Sparer werden ins Risiko getrieben - und müssen auch Schwankungen aushalten, wenn sie an der Börse Erfolg haben wollen

Der Dax ist kräftig ins Rutschen geraten - und dennoch greifen die deutschen Anleger in diesem Jahr verstärkt bei Aktien zu. Das muss keine schlechte Strategie sein - aus drei Gründen.

Die Deutschen und die Geldanlage, das galt vielen Experten als unselige Verbindung. Zu konservativ seien die Deutschen, weil sie vor allem auf sichere Papiere setzen. Und Sparbücher & Co. werfen in Zeiten niedriger Zinsen nun einmal kaum nennenswerte Erträge ab. Nun aber, so zeigen die Statistiken des deutschen Fondsverbands, greifen die Bundesbürger verstärkt auch bei Aktien zu. Zwar hat der Dax in den vergangenen zwei Wochen kräftig nachgegeben, doch die Zahl derjenigen, die Geld in Aktien und Aktienfonds investieren, ist seit Sommer deutlich gestiegen.

So steckten die Deutschen im Oktober 2,4 Milliarden Euro in Aktienfonds (Publikumsfonds). Ob aus Vertrauen oder aus schlichter Verzweiflung, ist nicht überliefert - vermutlich treffen beide Gründe zu. Doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 2015 waren es bislang 13,8 Milliarden, die in Aktienfonds angelegt wurden. In den drei Vorjahren war es deutlich weniger, zeitweise waren die Abflüsse höher als die Zuflüsse.

Nun also wieder hin zu Aktien - damit zeigen sich auch die Folgen der europäischen Niedrigzinspolitik, die konservative Sparer leiden lässt und immer stärker ins Risiko treibt. Denn Geldmarktfonds und Festgeldkonten werfen ähnlich wie Sparbriefe kaum noch etwas ab.

Mehr Mut zum Risiko - auch in Zeiten fallender Kurse

Deutsche Anleger kaufen verstärkt Aktien, während die Kurse an der Börse gerade ins Rutschen geraten - wieso ist das eine gute Nachricht? Aus drei Gründen.

Zum einen zeigt sich in Deutschland damit ein gewisser Realismus. Die Erkenntnis, dass klassische Sparprodukte in einem Niedrigzinsumfeld kaum etwas abwerfen. Und die Erkenntnis, dass für die Rendite mehr getan werden muss. Zum Beispiel durch Aktien, die zwar stark schwanken, langfristig aber höher rentieren, wie zahlreiche Untersuchungen zeigen.

Geld streuen - und regelmäßig investieren

Zum anderen berücksichtigen die Deutschen damit das Kernprinzip der Geldanlage - die Streuung. Nicht nur auf ein Investment zu setzen. Harry Markowitz hat für diese Erkenntnis den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. In der Praxis bedeutet das Prinzip, eben nicht nur ein Wertpapier zu kaufen, sondern mehrere. Einen Sparbrief, aber eben auch eine Anleihe, dazu eine Aktie oder besser einen Fonds. Denn der bündelt wiederum unterschiedliche Aktien, bis zu 300 in einem Wertpapier. Ob von einem Manager verwaltet (aktiv) oder einen Index nachbildend (passiv/ETF), ist da eher eine Glaubensfrage.

Und zu guter Letzt sieht es so aus, als hätten die Deutschen erkannt, dass ein perfektes Timing an der Börse nicht möglich ist. Den idealen Einstieg ebenso wie den idealen Ausstieg findet man nur auf einem Chart, nicht aber in der Realität. Das bedeutet, man sollte lieber regelmäßig und über einen längeren Zeitraum kleinere Teile seines Vermögens investieren - also in Hoch- wie in Niedrigphasen.

Kurzfristige Marktprognosen seien Gift und müssten an einem sicheren Ort weggeschlossen werden, grollte schon Investment-Guru Warren Buffett. "Fern von Kindern und auch Erwachsenen, die einen Markt wie Kinder spielen." Und das bedeutet: Im Idealfall stetig investieren, im Hoch wie im Tief. Unter dem Strich liegt der Einstiegskurs dann auf mittlerem Niveau. Und das wäre in der Summe doch wirklich eine gute Nachricht.

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