Sonntag, 24. Juli 2016

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Krach bei Bankenlobby VÖB Frustrierter NRW-Bank-Chef schmeißt Verbandsposten hin

Dietmar Binkowska: Rücktritt als Folge der verpatzten Suche nach einem neuen VÖB-Geschäftsführer

Seit Monaten suchen Landesbanker und Förderbanker einen Chef für ihren Lobbyverband - und finden keinen kompromissfähigen Kandidaten. Jetzt ist der Streit völlig aus dem Ruder gelaufen - und gefährdet den Verband Öffentlicher Banken.

Hamburg - Riesenkrach beim sonst so beschaulichen Staatsbanken-Verband: Nach Informationen von manager magazin online hat Dietmar Binkowska, Chef des größten Landesförderinstituts NRW Bank, sein Vorstandsamt beim Verband Öffentlicher Banken (VÖB) hingeschmissen. Der Rücktritt ist Folge der verpatzten Suche nach einem neuen VÖB-Geschäftsführer.

Insidern zufolge begründete Binkoswka den Rücktritt in Briefen an VÖB-Präsident Gunter Dunkel und dessen Stellvertreter zudem damit, dass der Verband insgesamt unorganisiert sei.

Kenner der Materie sagen, dass der Zoff inzwischen den VÖB als solches gefährde: "Das ist eine ganz schwierige Sache, dieser Streit, das bringt den Verband in große Probleme", sagt ein Beobachter. So steht der VÖB - das heißt: 62 Mitgliedsbanken mit fast 80.000 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von knapp 2000 Milliarden Euro - inzwischen seit Monaten ohne Cheflobbyisten da. Und das in einer Phase, in der in Sachen Bankenregulierung wichtige Entscheidungen anstehen.

Zudem offenbart der Streit, wie unterschiedlich die Interessen von Landesbankern und Förderbankern inzwischen gelagert sind: Während die Landesbanken, der expliziten Staatshaftung beraubt, seit der Finanzkrise kräftig schrumpfen, feiern sich die Förderbanken dafür, dass sie in Deutschland nach eigener Wahrnehmung eine Kreditklemme verhindert haben.

Förderbanker fürchten um ihren Einfluss

Manche Landesbanken werfen den Förderinstitute sogar vor, ihre Grenzen zu überschreiten und Geschäfte zu machen, die sie ihrem Auftrag gar nicht tätigen dürften - nämlich herkömmliche Kreditgeschäfte, wie sie eigentlich den Geschäftsbanken vorbehalten sind.

"In einzelnen Ländern werden die Förderbanken gerade zu zweiten Landesbanken - und zwar Landesbanken alten Stils", schimpft einer. Einige Förderinstitute sein inzwischen für die Landesregierungen, sowie früher die WestLB oder die BayernLB. "Hinzu kommt der Ehrgeiz der Bankvorstände, denen das klassische Fördergeschäft oft zu langweilig ist".

Und: Während die Landesbanken regulatorisch wie normale Geschäftsbanken behandelt werden, also eine Bankenabgabe zahlen müssen und bald auch die Finanztransaktionssteuer, wollen die Förderbanken stets von allen schmerzhaften Auflagen ausgenommen werden. Im Kreditgeschäft aber gehen sie nach Ansicht vieler Landesbanker inzwischen weit über ihr Mandat hinaus.

Die Vakanz auf dem Posten des Cheflobbyisten währt seit Monaten. Im März hatte der frühere Bundesbankvorstand Hans Reckers das Amt aufgegeben - unter dem Druck besonders der Vorstandschefs einiger Landesbanken, die Reckers vorwarfen, den Job nicht entschlossen genug auszuüben. Präsident des VÖB ist zudem seit Juni Nord/LB-Chef Gunter Dunkel und damit ein Landesbanker. Förderbanker Christian Brand, bis dato Präsident, zog sich zurück auf den Vize-Posten. Die Förderbanker fürchten nun um ihren Einfluss, sagen Insider.

Anfang Mai sollte der Verbandsvorstand über einen neuen Geschäftsführer entscheiden - vier Kandidaten standen zur Auswahl, ermittelt von der Personalberatung Egon Zehnder. Einigen aber konnte man sich nicht. Dem Vernehmen nach präferierte Binkowska eine Kandidatin, die andere Vorstände für nicht mehrheitsfähig hielten. Nun wird wohl erst im November entschieden, auf der nächsten Mitgliederversammlung.

Die NRW-Bank begründet Binkowskas Rücktritt offiziell mit seiner Arbeit als Vizepräsident des Europäischen Verbands Öffentlicher Banken. Ende 2012 wurde er auf den Posten gewählt. "Um sich stärker auf die europäische Verbandsarbeit konzentrieren zu können, legte Binkowska nun sein Mandat im Vorstand des VÖB zum 31. Oktober 2013 nieder. Bis zum endgültigen Austrittsdatum ruht das Mandat". Der VÖB teilte mit, er äußere sich "grundsätzlich zu keinen Vorstandsinterna und Entscheidungen von Mitgliedsbanken".

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