Montag, 19. November 2018

Gewinn, Umsatz, Eigenkapital Wie US-Banken Europas Banken deklassieren

Gewinn, Eigenkapital, Bewertung: Wie US-Banken Europas Banken deklassieren
REUTERS

Zwei Welten: Die US-Großbanken haben die Finanzkrise überwunden - und bauen Umsatz und Eigenkapital aus, während Europas Geldhäuser weiter unter Schwindsucht leiden. Nicht nur für die Deutsche Bank ist das ein Alarmsignal.

Zeitenwende: 2007, vor der Finanzkrise, wetteiferten Großbanken aus Europa und den USA auf Augenhöhe um Marktanteile und um die besten Deals im globalen Finanzgeschäft. Doch acht Jahre nach der Lehman-Pleite ist die Bankenlandschaft in eine Zweiklassen-Gesellschaft zerfallen: Auf der einen Seite die US-Banken, die ihre Kapitaldecke gestärkt haben und deren Gewinne wieder deutlich höher sind als vor der großen Krise. Und auf der anderen Seite die klammen Geldhäuser Europas, deren Gewinne nicht einmal halb so hoch sind wie die der US-Konkurrenz.

Und die Schere öffnet sich weiter. Europas Banken leiden unter weiter sinkendem Eigenkapital. Sie haben außerdem, im Gegensatz zu den meisten US-Großbanken, noch Bußgelder in Milliardenhöhe aus den USA zu erwarten - wie zum Beispiel die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen. Während US-Geldhäuser vor Kraft strotzen und auf allen Geschäftsfeldern wieder angreifen, leiden ihre europäischen Pendants weiter unter Schwindsucht: "Europas Banken fallen weiter zurück", lautet das Fazit einer Untersuchung von Ernst & Young. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft hat die wichtigsten Kennzahlen der 10 größten Geldhäuser der USA und in Europa verglichen: Das Ergebnis ist ein Alarmsignal für die Geldhäuser in Europa.

Dass die nach Umsatz größten US-Geldhäuser an der Börse mehr als doppelt so hoch bewertet sind wie die europäischen Top Ten, spielt in diesem Vergleich nur eine Nebenrolle. Schließlich war auch der Nettogewinn der US-Banken im ersten Halbjahr mit rund 47 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch (Europas Top Ten: 22 Milliarden Euro). Was Europas Bankern für die Zukunft deutlich mehr Sorgen bereiten sollte, ist der Rückgang der Eigenkapitalquote auf durchschnittlich 5,4 Prozent - während die US-Geldhäuser ihre Kapitaldecke das sechste Jahr in Folge stärken konnten und inzwischen eine Eigenkapitalquote von 7,5 Prozent erreichen.

Dies schafft in Zeiten niedriger Zinsen Freiraum für lukrativere Geschäfte: Die zehn größten US-Banken steigerten ihre Bilanzsumme auf insgesamt 14,5 Billionen Euro, das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. In Europa sank die Bilanzsumme der großen Player dagegen auf 15,3 Billionen Euro: Setzt sich diese Entwicklung fort, haben die US-Banken die europäische Konkurrenz auch bei dieser Kennzahl bald abgehängt. "Die europäischen Banken kämpfen derzeit an vielen Fronten", sagt Dirk Müller-Tronnier, Partner bei Ernst & Young. Dazu zählt er nicht nur die historisch niedrigen Zinsen, die den Banken das Kerngeschäft erschweren.

Zudem binden schärfere Vorgaben der Regulierungsbehörden mehr Kapital - viele Banken, die in der Vergangenheit stark auf Investmentbanking gesetzt haben, müssen angesichts einer dünnen Kapitaldecke ein neues Geschäftsmodell finden. Hinzu kommen notleidende Kredite in Südeuropa sowie - nicht nur im Fall Deutsche Bank - Belastungen durch Strafzahlungen und Rechtsstreitigkeiten.

Anders gesagt: Für eine Aufholjagd ist der europäische Geldadel noch nicht gerüstet. Er kann nur hoffen, dass die US-Konkurrenz nicht auf Nimmerwiedersehen enteilt.

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