Sonntag, 18. November 2018

Nettogewinn, Eigenkapital, Bilanzsumme Gewinn mal zwei - warum US-Banken Europas Geldhäuser immer weiter abhängen

Make Money in USA: Die US-Banken sind der europäischen Konkurrenz mit Blick auf Profitabilität weit enteilt

Europas führende Banken fallen im Wettlauf mit der US-Konkurrenz immer weiter zurück. Zwar konnten Europas Großbanken im ersten Halbjahr ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Jenseits des Atlantiks stiegen die Überschüsse aber erneut deutlich kräftiger, wie eine am Dienstag veröffentlichte Auswertung des Beratungsunternehmens EY ergab.

Demnach verdienten die nach Bilanzsumme zehn größten Geldinstitute in Europa in den ersten sechs Monaten 2018 unter dem Strich zusammen 26,3 Milliarden Euro und damit 9 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Die zehn größten US-Banken kamen dagegen auf umgerechnet rund 69,1 Milliarden Euro - ein Plus von gut 19 Prozent.

Noch deutlicher ist der Abstand beim Vorsteuergewinn: In den USA steigerten die US-Banken ihre Vorsteuergewinne auf umgerechnet 87,5 Milliarden Euro, während der Gewinn der europäischen Top Ten bei 40,6 Milliarden Euro stagnierte.

Die nüchterne Bilanz der EY-Experten: "Seit 2012 sind die Gewinne der amerikanischen Banken zum Ende eines ersten Kalenderhalbjahres jeweils mindestens doppelt so hoch wie die ihrer europäischen Konkurrenten." Und der Abstand scheine sich zu vergrößern.

Wo die Deutsche Bank im Vergleich zu den US-Banken steht

Besonders deutlich zeigt sich der Rückstand der europäischen Banken am Beispiel der Deutschen Bank, der nach Bilanzsumme immer noch fünftgrößten Bank in Europa. Mit einer Bilanzsumme von 1,4 Billionen Euro spielt die Deutsche Bank zwar hinter der britischen HSBC (2,2 Billionen), den französischen BNP Paribas (2,2 Billionen) und Credit Agricole (1,6 Billionen) und der spanischen Banco Santander (1,4 Billionen) zwar noch unter den Top 5 in Europa.

Mit ihrem Nachsteuergewinn von rund einer halben Milliarde Euro im ersten Halbjahr 2018 kommt die Deutsche Bank jedoch nur auf rund 25 Prozent des Nettogewinns, den die zehntplatzierte US-Bank PNC Financial Services im ersten Halbjahr erwirtschaftete. Der Nachsteuergewinn der US-Bank JP Morgan Chase war mit umgerechnet 15 Milliarden Euro fast 30mal so hoch wie der Nachsteuergewinn der Deutschen Bank - obwohl die Bilanzsumme der US-Bank mit 2,2 Billionen nur etwa 50 Prozent höher ist als die Bilanzsumme der Deutschen Bank.

Entsprechend groß ist auch der Unterschied in der Börsenbewertung: Die Deutsche Bank kam Anfang August auf einen Börsenwert von rund 22 Milliarden Euro. Der Börsenwert von JP Morgan Chase war mit umgerechnet 340 Milliarden Euro rund 15mal so hoch wie die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank. Die an der Börse teuerste US-Bank ist damit fast so viel wert wie die vier teuersten europäischen Banken (HSBC, Santander, Paribas und ING) zusammen.

US-Boom und Steuerreform stützen US-Banken

Im laufenden Jahr profitierten die US-Institute vom Boom der heimischen Wirtschaft und der Steuerreform der Trump-Regierung. In Europa sind zehn Jahre nach der jüngsten Finanzkrise die Altlasten noch immer nicht abgearbeitet. "Insgesamt ist die Gewinnsituation der europäischen Banken nach wie vor weit entfernt vom Vorkrisenniveau und immer noch nicht zufriedenstellend", stellt EY-Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier fest. "Nach wie vor belasten Abschreibungen sowie Restrukturierungs- und Rechtskosten die Bilanzen."

Die US-Regierung hatte den Banken nach der Krise 2007/2008 zwangsweise Staatsgeld verordnet - und sorgte so nach Ansicht vieler Experten dafür, dass sich die dortige Finanzbranche deutlich schneller erholte. Erschwerend kommt in Europa hinzu, dass der Markt sehr stark zerklüftet ist und sehr viele Banken um Kunden buhlen.

Börsenwert der US-Banken knapp dreimal so hoch wie in Europa

Zudem drücken die historisch niedrigen Zinsen im Euroraum die Erträge. Während die US-Notenbank Fed die Zinsen längst wieder angehoben hat, hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine erste Zinserhöhung frühestens für Herbst 2019 in Aussicht gestellt.

Kein Wunder also, dass die US-Schwergewichte an der Börse weit mehr wert sind: Während die Marktkapitalisierung der zehn größten US-Banken bis zum Stichtag 3. August 2018 auf gut 1,3 Billionen Euro stieg, sank der Börsenwert der zehn größten europäischen Institute seit Jahresbeginn sogar noch auf zusammen 561 Milliarden Euro

la/dpa

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