Sonntag, 11. Dezember 2016

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Sparprogramm UniCredit streicht 18.000 Jobs - Tochter HVB soll nochmal bluten

Unicredit: Auch bei der deutschen Tochter HypoVereinsbank sollen mindestens 1000 weitere Jobs wegfallen.

Die italienische Großbank Unicredit steht vor einem schmerzhaften Sparprogramm. Bis 2018 will das Institut rund 18.200 Stellen abbauen, wie es am Mittwoch in Mailand mitteilte. Das entspricht rund 14 Prozent der 129.000 Beschäftigten von Ende 2014.

Davon betroffen ist auch die deutsche Tochter HypoVereinsbank. Hier sollen insgesamt 2300 Vollzeitstellen wegfallen. Allerdings ist ein Großteil davon im Zuge der Halbierung der Filialen in den vergangenen Monaten schon geschafft. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa-AFX sollen nun noch rund 1000 Stellen bei HVB gestrichen werden. Reuters berichtet unter Berufung auf Insider von 1200 zusätzlichen, die die HVB in den kommenden drei Jahren abbauen soll.

Besonders schwer trifft es Österreich. Dort will der Konzern das zuletzt enttäuschende Filialgeschäft mit rund 1,6 Millionen Kunden seiner Bank Austria verkaufen. Zudem soll die Zentrale des Osteuropageschäfts von Wien nach Mailand verlagert werden. Allein durch den Verkauf des Ukraine-Geschäfts und die Fusion der Fondstochter Pioneer mit der entsprechenden Sparte der spanischen Bank Santander sollen weitere rund 6000 Stellen wegfallen.

Bei Arbeitnehmervertretern in Deutschland stößt das Streichkonzert aus Mailand auf heftige Kritik: "Das Motto heißt im Moment offenbar Totsparen", sagte Verdi-Fachbereichsleiter Klaus Grünewald, der auch im Aufsichtsrat der HypoVereinsbank sitzt. "Der Eigentümer muss sich fragen lassen, was er mit der HVB eigentlich vorhat - ob er sie wirklich schätzt oder ob er sie einen langsamen Tod sterben lassen will."

Von 60.000 Mitarbeitern nach der Fusion von Hypo-Bank und Vereinsbank 1998 blieben nach der neuerlichen Kürzungsrunde noch ein Viertel übrig. Auch der Teilrückzug aus Österreich und Osteuropa schade der HVB.

Mindestens 1000 weitere Stellen sollen bei der HVB wegfallen

Mit dem Stellenabbau will Bank-Chef Federico Ghizzoni den Gewinn bis 2018 auf 5,3 Milliarden Euro bringen. Analysten hatten mit einem weniger ehrgeizigen Ziel gerechnet. Unicredit folgt mit dem Sparprogramm der Deutschen Bank und der Credit Suisse , die in den vergangenen Wochen ebenfalls schmerzhafte Einschnitte ankündigten. Im dritten Quartal sackte derweil der Überschuss um 30 Prozent auf 507 Millionen Euro ab. Hintergrund sind höhere Rückstellungen für faule Kredite.

Mit dem Umbau reagiert auch Unicredit auf die zunehmend strengeren Kapitalanforderungen für Banken und die historisch niedrigen Zinsen. Viele Geschäfte lohnen sich vor diesem Hintergrund kaum noch. Künftig will Unicredit mit 111.000 Vollzeitstellen auskommen. Durch den Stellenabbau sollen die Kosten um 1,6 Milliarden Euro gedrückt werden. Zugleich will das Institut 1,2 Milliarden Euro für digitale Projekte ausgeben.

Künftig streben die Italiener eine Rendite auf das eingesetzte Kapital - die entscheidende Kennziffer für die Profitabilität von Banken - von elf Prozent an. Die harte Kernkapitalquote soll künftig bei mindestens 12,6 Prozent liegen. Dabei hat die Bank noch viel Nachholbedarf. Aktuell kommt sie auf eine Quote von 10,5 Prozent. Schaffen will die Bank das aber nach eigenen Angaben aus eigener Kraft, also ohne Kapitalerhöhung.

rei/dpa/reuters

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