Sonntag, 21. Oktober 2018

Mustiers möglicher Milliardendeal Unicredit prüft Fusion mit französischer Großbank SocGen

Unicredit: Bankchef Jean Pierre Mustier kennt den französischen Rivalen gut

Italiens größte Bank Unicredit spielt einem Zeitungsbericht zufolge eine Fusion mit dem französischen Konkurrenten Société Générale (SocGen) durch. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier beschäftige sich seit mehreren Monaten mit der Idee, berichtete die "Financial Times" am Sonntag.

Obwohl es keine formale Anfrage gebe, seien auch einige Manager bei SocGen mit der Möglichkeit befasst. Die Pläne seien aber noch in einer frühen Phase. Mustier ist Franzose und kennt den Rivalen gut, weil er früher das Investmentbanking der SocGen geleitet hat.

SocGen Börsen-Chart zeigen teilte mit, es gebe auf Vorstandsebene keine Diskussionen über eine Fusion mit Unicredit. SocGen-Chef Frederic Oudea hatte im vergangenen November gesagt, grenzüberschreitende Deals in der europäischen Branche seien in den nächsten Quartalen unwahrscheinlich. Die Italiener wollten sich nicht konkret äußern. Der aktuelle Restrukturierungsplan beinhalte keine Zusammenschlüsse, hieß es lediglich.

Die instabile politische Lage in Italien erschwere dem Bericht zufolge zudem derzeit eine möglichen Fusion - aus diesem Grund sei der Zeitplan für den Zusammenschluss um 18 Monate aufgeschoben worden. Italienische Banken standen zuletzt an der Börse wegen der neuen Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechtsextremer Lega unter Druck.

Jean Pierre Mustier über Krise bei Unicredit: "Machen Sie sich keine Sorgen"

Aktuell wäre es gemessen am Börsenwert ein Zusammenschluss praktisch auf Augenhöhe: Die Unicredit Börsen-Chart zeigen wird derzeit mit rund 33 Milliarden Euro bewertet, die SocGen kommt auf 30 Milliarden Euro. Sollte es zu der Fusion kommen, könnte dies der Startschuss für eine bereits seit langem erwartete Fusionswelle im europäischen Bankensektor sein. Dieser hinkt nach der Finanzkrise unter anderem wegen der starken Zersplitterung hinter der Entwicklung in Asien und USA her.

So stehen die europäischen Banken rund zehn Jahre nach der Finanzkrise zumeist deutlich schwächer da als die Konkurrenten in den Vereinigten Staaten und Asien. Neben der nach wie vor starken Aufteilung des Marktes in Europa spielen auch andere Gründe wie ein zögerlicheres Handeln der europäischen Regierungen in der Finanzkrise eine Folge - es gibt aber auch viele hausgemachte Fehler wie zum Beispiel bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, die sich viel später als die meisten Konkurrenten auf die neuen Zeiten für die Branche eingestellt hat.

Aus diesem Grund wird in Deutschland auch immer wieder über eine sogenannte "Notfusion" zwischen der Deutschen Bank und der immer noch teilverstaatlichten Commerzbank Börsen-Chart zeigen spekuliert. Zuletzt hatte es hier im Sommer 2016 Kontakte gegeben. Die Führungsspitzen haben diese Annäherungsversuche jedoch wegen der vielen eigenen Problemen in den jeweiligen Häusern wieder bald beendet. Die Lage hat sich für die beiden Institute nicht gerade gebessert - bei der Deutschen Bank hat sich diese sogar weiter verschärft.

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