Freitag, 29. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Überraschender persönlicher Auftritt am Donnerstag Deutsche Bank beendet Versteckspiel von John Cryan

Kurzentschlossenes Treffen mit Journalisten: Deutsche Bank-Chef Cryan kommt aus der Deckung
Deutsche Bank
Kurzentschlossenes Treffen mit Journalisten: Deutsche Bank-Chef Cryan kommt aus der Deckung

Lädt ein Unternehmen zu einer Pressekonferenz, so ist das normalerweise vorab kaum eine Schlagzeile wert - die wichtigen Informationen sollen ja erst bei dem Termin selbst geliefert werden. Bei der Deutschen Bank ist zurzeit aber nur wenig normal. Deutschlands größtes Geldhaus befindet sich mitten in einem historischen Umbruch - und es hat dabei einen Chef, den außerhalb des Unternehmens bislang noch kaum jemand zu Gesicht bekommen hat.

Seit dem 1. Juli steht John Cryan an der Spitze der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen. Seither hat er bereits einschneidende Veränderungen vorangetrieben, allen voran jenen radikalen Umbau des Instituts, der am kommenden Donnerstag detailliert der Öffentlichkeit, Investoren und Analysten präsentiert werden soll.

Aber persönlich gesehen hat Cryan in seinen knapp vier Monaten Amtszeit bisher außerhalb der Bank noch kaum jemand.

Der Brite, der das Spitzenamt vom umstrittenen Investmentbanker Anshu Jain übernommen hat, und dem noch bis 2016 Jains einstiger Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen zur Seite steht, meidet offenbar gezielt die Öffentlichkeit. Bisher gab es keine Auftritte von ihm, und schon gar keine Pressekonferenzen mit persönlicher Anwesenheit. Eine Telefonkonferenz mit Analysten - mehr fand bislang nicht statt.

Die Reaktion auf so viel Zurückhaltung ließ nicht lange auf sich warten. Kaum ein Medium, das in den vergangenen Wochen nicht wenigstens en passant und häufig mit kritischem Unterton Cryans Unsichtbarkeit erwähnt hätte. SPIEGEL ONLINE widmete dem Thema just am heutigen Montag eigens eine Geschichte ("Ein Phantom regiert die Deutsche Bank").

Wie die Credit Suisse, so auch die Deutsche Bank

So viel negative Aufmerksamkeit für ein Thema, das aus Sicht der Deutschen Bank doch an sich gar keins sein sollte - das wurde den PR-Strategen des Hauses nun offenbar doch zu viel. Kurzfristig luden sie am heutigen Montag zu einer Pressekonferenz für Donnerstagfrüh nach Frankfurt. Wichtigster Teilnehmer des Meetings: Bankchef John Cryan persönlich. Der spontane Entschluss erinnert frappierend die jüngste Aktion der Schweizer Bank Credit Suisse Börsen-Chart zeigen, die vor einigen Tagen überraschend eine erste Presserunde mit ihrem neuen Chef Tidjane Thiam mit kaum 24 Stunden Vorlauf arrangiert hatte.

In Frankfurt soll Cryan sekundiert von Fitschen und Finanzvorstand Marcus Schenck am Donnerstag die Details der Strategie 2020 der Bank erläutern, leibhaftig und vermutlich in passablem Deutsch, wie seine Vita erwarten lässt. Ursprünglich hatte die Bank wieder nur eine Telefonkonferenz für Medienvertreter vorgesehen, am Nachmittag, nachdem Analysten und Investoren informiert worden sein werden. Das Erscheinen des Bankchefs selbst dürfte nun allein schon für viele Journalisten Grund genug sein, in die Deutsche-Bank-Zentrale nach Frankfurt zu reisen.

Zudem sind auch die Erwartungen an die Inhalte von Cryans Präsentation groß. Der Brite muss ein überzeugendes Konzept vorlegen, wie er die Deutsche Bank wieder dauerhaft in die Erfolgsspur führen will. Zunächst wird es wohl vor allem darum gehen, die Kosten radikal zu senken. Aber Schrumpfen allein reicht nicht. Anleger wollen auch wissen, wo Cryan Wachstumschancen für die Bank sieht.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH