Mittwoch, 12. Dezember 2018

Deutsche-Bank-Tochter Top-Investor bleibt - Neuer Chef der DWS stoppt Brain Drain

DWS-Logo in Frankfurt

Tim Albrecht (Foto: Archiv)

Wenige Wochen nach seinem Start als Chef der kriselnden Deutsche-Bank-Tochter DWS kann Asoka Wöhrmann einen Anfangserfolg vermelden: Tim Albrecht, Top-Investor für deutsche Aktien, bläst seinen Wechsel zu Berenberg Bank ab und bleibt bei seinem alten Arbeitgeber, wie das manager magazin aus Kreisen erfuhr, die mit der Entscheidung vertraut sind. Offiziell wollte sich die DWS dazu nicht äußern.

Wöhrmann ist seit Ende Oktober Chef des Vermögensverwalters DWS und Nachfolger von Nicolas Moreau. Weil Moreau die massiven Mittelabflüsse bei der DWS nicht stoppen konnte und auch andere Ziele verfehlte, zog die Deutsche Bank nach enttäuschenden Quartalszahlen die Reißleine. Jetzt ist es an Wöhrmann, den Trend umzukehren. Er war lange Chefanlagestratege bei der Deutsche-Bank-Fondstochter.

Viele Abgänge haben dem Vermögens-verwalter zuletzt zugesetzt - ebenso wie enttäuschende Fondsrenditen. Zudem kämpft die DWS mit hohen Kosten. Zwei wichtige Entscheidungen, um diese Probleme anzugehen, zeichnen sich bereits ab: Wöhrmann will das Führungsteam umbauen und die deutsche Basis stärken.

Bei seinem ersten größeren Auftritt vor allem Mitarbeitern betonte Wöhrmann jüngst: Die DWS-Zentrale sei Frankfurt. Damit machte er unmissverständlich klar, dass mehr wichtige Aufgaben an den Main umziehen sollen. Zu den ersten, die kommen sollen, gehören Finanzkreisen zufolge die Chefs der Personal- und Rechtsabteilung, die in London sitzen.

Topmanager unter Beschuss

Die Führungsmannschaft ganz oben besteht derzeit aus acht Mitgliedern, die teilweise in Chicago, New York und London residieren. Beobachter erwarten, dass Wöhrmann mindestens zwei Manager austauscht - von Finanzchefin Claire Peel abgesehen. Ihr wird trotz der Kursverluste der DWS-Aktie ein guter Draht zu den Investoren attestiert.

Unter Beschuss sind dagegen Topmanager wie Chief Operating Officer Jon Eilbeck, der bisher dem Kostenziel keinen Cent nähergekommen ist und als durchsetzungsschwach gilt, sowie Chief Control Officer Nikolaus von Tippelskirch, der bei den Vorgaben der Regulierer im Kampf gegen Geldwäsche hinterherhinkt.

Wegen der schwachen Fondsperformance stehen Pierre Cherki und Stefan Kreuzkamp in der Kritik, die als Co-Leiter das Investmentgeschäft verantworten. Die Probleme im Vertrieb bringen die dafür verantwortlichen Co-Leiter Thorsten Michalik und Bob Kendall unter Rechtfertigungszwang. Unter dem Strich bringt das Geschäft mit US-Großkunden von Kendall wenig ein - wegen niedriger Gebühren und der schwachen Stellung der DWS in Nordamerika. Der Anteil zwischen Aufwand und Erträgt nimmt dort Kurs auf 100.

Wenn sein Team steht, muss Wöhrmann den ausgedünnten Talentpool auffüllen. Wichtige Geschäftspartner trauen ihm das allemal eher zu als seinem Vorgänger. Dass er Tim Albrecht von einem Wechsel zu Berenberg abhalten konnte, bringt ihn ihn in eine bessere Ausgangslage als zunächst erwartet. Albrecht verwaltet bei der DWS ein Anlagevermögen von 15 Milliarden Euro.

Den Hoffnungsträger Wöhrmann an der DWS-Spitze hätte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing längst haben können. Bereits vor zwei Jahren war Wöhrmann der Topkandidat für den DWS-Spitzenposten - kurz vor dem Börsengang des Vermögensverwalters. Doch nur ein Jahr zuvor war er ins Privat- und Firmenkundengeschäft gewechselt. Und Sewing, damals im Vorstand für dieses Geschäft zuständig, wollte Wöhrmann nicht so schnell wieder aus seinem Ressort ziehen lassen. Jetzt dagegen, wo Sewing den gesamten Konzern verantwortet, musste er wohl nicht lange von der Personalie überzeugt werden.

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